Die Q1-Zahlen im Detail: 83.500 Wärmepumpen, +34 Prozent#
83.500 Heizungs-Wärmepumpen in drei Monaten. So viel verkaufte die Branche im ersten Quartal 2026 laut der gemeinsamen Marktstatistik des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) und des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP). Gegenüber Q1 2025 ist das ein Plus von 34 Prozent. Der gesamte Heizungsmarkt mit allen Wärmeerzeugern legte um 16 Prozent auf 171.500 Geräte zu.
Damit bestätigt sich der Trend vom Jahresstart. BWP-Geschäftsführer Martin Sabel hatte den Januar-Einzelwert bereits mit 24.000 Geräten und einem Plus von 33 Prozent gegenüber Januar 2025 beziffert. Drei starke Monate in Folge sprechen gegen einen Einmal-Effekt.
Auch europäisch liegt Deutschland vorne. Die European Heat Pump Association (EHPA) zählt für die elf wichtigsten EU-Märkte rund 575.000 verkaufte Wärmepumpen in Q1 2026, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutschland, Frankreich und Polen ziehen den Markt mit durchschnittlich 25 Prozent Wachstum. Einziges Land im Minus ist Österreich, laut EHPA eine Folge fehlender staatlicher Förderung.
Jahres-Meilenstein 2025: Wärmepumpe überholt Gaskessel#
2025 war das Jahr der Trendwende. Laut BDH-Jahresbilanz vom 31. Januar 2026 verkauften deutsche Hersteller 299.000 Wärmepumpen und 229.000 Gas-Brennwertkessel. Zum ersten Mal seit Beginn der modernen Heizungsstatistik war die Wärmepumpe die meistverkaufte neue Heiztechnik in Deutschland.
Für 2025 ist diese Überholung belegt. Quartalszahlen zu Gaskesseln für Q1 2026 veröffentlicht der BDH nicht isoliert. Die Richtung bleibt klar: Wenn der Wärmepumpen-Markt um 34 Prozent wächst und der Gesamtmarkt nur um 16 Prozent, verlieren fossile Systeme weiter Boden. Detaillierte Jahres-Marktdaten und die BWP-Prognose 2026 stehen im Ratgeber zum Wärmepumpen-Markt 2026.
Das GModG-Paradox: Pflicht fällt weg, Absatz steigt#
Am 13. Mai 2026 beschloss das Bundeskabinett das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Es löst das GEG 2024 ab. Kernpunkt: Die Pflicht, dass neue Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen, fällt weg. Gas- und Ölheizungen sind beim Heizungstausch wieder ohne Mindestanteil zulässig. Ab 2029 greift eine Bio-Treppe mit schrittweise steigender Biogas- oder Bio-Heizöl-Beimischung. Details und Zeitplan im Ratgeber zum neuen Heizungsgesetz GModG 2026.
Logisch müsste die Aufhebung der 65-Prozent-Pflicht den Wärmepumpen-Markt bremsen. Passiert nicht. Drei Stimmen aus Branche und Forschung erklären das Paradox:
„Von 65 auf 10 Prozent Erneuerbaren-Anteil: Mit Blick auf die Krise im Nahen Osten und ihre Auswirkungen auf Energiepreise und Versorgungssicherheit in Deutschland und die Klimaziele ist dies ein völlig falsches Zeichen."
Der BDH wiederum begrüßt die Abschaffung als „weniger Bürokratie und stärkere Marktorientierung bei der Heizungsmodernisierung", fordert aber klarere Regeln für Hybrid-Lösungen. Beide Verbände kalkulieren den Markt-Boom als zumindest mittelfristig stabil.
„Der Schritt verschiebt notwendige Entscheidungen und wird die Energiewende letztlich teurer und chaotischer machen."
Sein Argument: Hauseigentümer entscheiden heute schon ökonomisch zugunsten der Wärmepumpe. Der gesetzliche Push war nur ein Beschleuniger, kein eigentlicher Treiber.
Die Marktzahlen stützen Rosenows These. Die KfW 458 läuft unverändert. Die CO2-Bepreisung steigt unabhängig vom GModG. Die Anschaffungskosten für Wärmepumpen sind 2024 und 2025 deutlich gefallen. Für die meisten Hauseigentümer bleibt die Wärmepumpe damit die wirtschaftlich beste Wahl, ganz ohne gesetzlichen Zwang.
Warum boomt der Markt ohne gesetzlichen Zwang?#
Vier Faktoren tragen den aktuellen Wärmepumpen-Boom unabhängig vom GModG:
| Treiber | Wirkung 2026 | Quelle / Mechanismus |
|---|---|---|
| KfW 458 Förderung | Bis 70 Prozent Zuschuss (max. 19.600 Euro je EFH), mit höchstem Einkommensbonus 80 Prozent | Grundförderung 30 % + Klimabonus 16 % + Einkommensbonus 40, 30 oder 10 % |
| CO2-Preis | 55 Euro je Tonne 2025, 2026 Versteigerung im Korridor 55 bis 65 Euro | BEHG-Mechanismus, ab 2028 EU-ETS-2 marktbasiert |
| WP-Anschaffungspreise | 2024 bis 2025 rund 15 Prozent gesunken | Skaleneffekte, mehr Hersteller, asiatische Konkurrenz |
| Sorge vor Förderkürzung | Debatte über sinkende Boni treibt Anträge; seit dem 21. Juli 2026 liegt der Klimabonus bei 16 Prozent | KfW-Merkblatt 458 (Stand 12/2025) |
Vor allem der CO2-Preis schlägt durch. Ein Einfamilienhaus mit 18.000 Kilowattstunden Gas-Heizbedarf zahlt bei 55 Euro je Tonne CO2 rund 200 Euro Aufschlag pro Jahr. In wenigen Jahren werden daraus 400 bis 500 Euro. Wer 2026 noch eine Gasheizung einbaut, koppelt sich für 15 bis 20 Jahre an steigende Betriebskosten. Die Details im CO2-Preis-Ratgeber 2025 bis 2035.
Den Trend belegt auch der KfW-Antrags-Rekord vom März 2026. Über 37.000 Heizungsförderanträge in einem einzigen Monat sind der stärkste Wert in der Geschichte des Programms. Mehr Details und die neue Schallregel im Ratgeber zur KfW-Heizungsförderung März 2026.
Ist der KfW-458-Zug noch nicht abgefahren?#
Kurze Antwort: Nein, aber er beschleunigt. Die KfW 458 läuft 2026 unverändert mit den vollen Bonus-Stufen. Wer den Antrag jetzt stellt, sichert sich:
- 30 Prozent Grundförderung für jede förderfähige Wärmepumpe (Luft-Wasser, Sole-Wasser, Wasser-Wasser).
- 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus, wenn die alte Heizung ein Konstanttemperatur-, Niedertemperatur- oder Brennwertkessel über 20 Jahre ist (Öl, Gas, Kohle). Seit der BEG-Reform vom 21. Juli 2026 sind es 16 statt 20 Prozent, ab dem 1. Februar 2027 sinkt der Bonus halbjährlich um 4 Prozentpunkte.
- 40, 30 oder 10 Prozent Einkommensbonus, gestaffelt nach zu versteuerndem Haushaltseinkommen bis 30.000, 40.000 oder 50.000 Euro im Jahr.
- Effizienzbonus gestrichen: Die 5 Prozent für Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln (R290 Propan) sind entfallen. Ab 2028 sind trotzdem nur noch natürliche Kältemittel KfW-förderfähig, Details im Ratgeber zu Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln ab 2028.
Die Förderung ist seit dem 21. Juli 2026 auf 28.000 Euro förderfähige Kosten pro Wohneinheit und im Regelfall auf 70 Prozent gedeckelt. Das ergibt einen Maximal-Zuschuss von 19.600 Euro je Einfamilienhaus, bei einem Haushaltseinkommen bis 30.000 Euro steigt der Deckel auf 80 Prozent oder 22.400 Euro. Wichtig: Der KfW-Antrag muss vor Liefer- oder Leistungsvertrag mit dem Fachhandwerker gestellt werden. Wer zuerst beauftragt und danach Förderung beantragt, verliert den Anspruch komplett. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung steht im Ratgeber zur Wärmepumpen-Förderung 2026.
Zusätzlich gilt seit 1. Januar 2026 eine verschärfte Schallregel: Förderfähig sind nur noch Luft-Wärmepumpen, deren Schallleistungspegel 10 dB unter dem EU-Grenzwert nach Ecodesign liegt. Details und konkrete Schwellen im Ratgeber zu KfW 458 Schallschutz 2026.
Was bedeutet das GModG konkret für den Heizungstausch?#
Für Hauseigentümer ergeben sich aus dem GModG-Kabinettsbeschluss vom 13. Mai 2026 vier praktische Konsequenzen:
| Situation | Was gilt bis Inkrafttreten GModG | Was gilt nach GModG |
|---|---|---|
| Neubau Wohngebäude | 65-Prozent-EE-Pflicht (GEG 2024) | Pflicht entfällt, frei wählbar (Wärmepumpe bleibt wirtschaftlich überlegen) |
| Heizungstausch in 80 Großstädten (über 100.000 EW) | GEG-Verlängerung bis 1. November 2026 | Pflicht entfällt komplett, sobald GModG in Kraft |
| Heizungstausch übrige Gemeinden | An kommunale Wärmeplanung gekoppelt | Pflicht entfällt, kommunale Wärmeplanung bleibt Orientierung |
| Bestandsheizung weiterbetreiben | Erlaubt bis 30 Jahre (GEG-Austauschpflicht für Konstanttemperaturkessel) | Austauschpflicht entfällt vollständig |
Wer in einer der 80 betroffenen Großstädte wohnt und sich noch nicht entschieden hat, kann die inzwischen gegenstandslose GEG-Frist zum 1. November 2026 abhaken. Wer Mieter in eine Mietwohnung mit fossiler Heizung hat oder selbst Mieter ist, sollte die 50/50-Aufteilung der CO2-Kosten ab 2028 im Blick haben, die mit dem GModG kommt.
Für die meisten Hauseigentümer bleibt die Wärmepumpe trotzdem die beste Wahl. Das Regulierungsrisiko ist gering. Eine Wärmepumpe erfüllt jede absehbare Heizungsregel, egal wie das GModG am Ende formuliert wird. Eine reine Gasheizung läuft dagegen ab 2029 in die Bio-Treppe, mit jährlich steigenden Brennstoff-Mehrkosten und dem CO2-Preis obendrauf. Für Altbauten mit hohem Heizbedarf kann die Hybrid-Lösung aus Wärmepumpe und Gas eine sinnvolle Brücke sein.
Lieferzeiten, Fachkräfte, Netzlast: Wo der Boom an Grenzen stößt#
Drei Engpässe bremsen die theoretisch noch höhere Nachfrage:
- Fachkräftemangel: SHK-Betriebe sind bundesweit ausgebucht. Wartezeiten von drei bis neun Monaten zwischen Erstangebot und Inbetriebnahme sind die Regel, in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Berlin teils länger. Die Hersteller bilden gemeinsam mit Innungen aus, aber die Mehr-Kapazität wirkt erst ab 2027.
- Stromnetz-Anschlüsse: Bei 2 Millionen installierten Wärmepumpen plus 330.000 bis 410.000 geplanten Neugeräten in 2026 entstehen 6 bis 10 Gigawatt zusätzliche Winter-Spitzenlast. Die Verteilnetzbetreiber bauen aus, lokal kommt es trotzdem zu Verzögerungen beim Netzanschluss. Was das konkret bedeutet, steht im Ratgeber zu Wärmepumpen und Stromnetz im Winter.
- Schallschutz und Genehmigung: Die neue KfW-Schallregel macht die Geräteauswahl enger, und in dichten Wohngebieten ist die Wärmepumpen-Lautstärke nach TA Lärm ein wachsendes Thema. Hier zahlt sich eine ordentliche akustische Planung vor dem Antrag aus.
Auch finanziell bleibt der Boom robust. Die KfW-Pressemitteilung zum Q1-Abschluss meldet 3,0 Milliarden Euro Zusagen für die Energieeffizienz von Wohngebäuden, in etwa auf Vorjahresniveau trotz der Antragsrekorde. Im Detail waren es 89.631 Heizungsförder-Zusagen im ersten Quartal, davon 80.766 für Wärmepumpen-Projekte, also rund neun von zehn. Heißt: Die KfW verarbeitet das Volumen technisch, die durchschnittliche Förderhöhe pro Antrag wächst aber nicht weiter. Wer hohe Boni mitnehmen will, sollte nicht warten.
Was sollten Hauseigentümer jetzt tun?#
Eine pragmatische 5-Punkte-Checkliste für die Wärmepumpen-Entscheidung 2026:
- Heizung-Alter prüfen: Heizungen über 15 Jahre sollten in den nächsten 2 bis 3 Jahren ohnehin ersetzt werden. Mit aktueller KfW-Förderung lohnt der Wechsel früher als später.
- Vorlauftemperatur testen: Wenn die Bestandsheizung im Winter mit 55 Grad Vorlauf auskommt, ist die Wärmepumpe ohne große Anpassungen einsetzbar. Bei 70 Grad Vorlauf muss in einzelne Heizkörper investiert werden. Der Altbau-Ratgeber erklärt die Praxistests.
- Budget plus Förderung kalkulieren: Brutto-Investition 25.000 bis 35.000 Euro für ein durchschnittliches Einfamilienhaus, abzüglich KfW-Förderung bis 19.600 Euro. Nettokosten oft 10.000 bis 18.000 Euro.
- Förderung gesichert? KfW-458-Antrag muss vor Liefer- oder Leistungsvertrag eingereicht werden. Klimabonus 16 Prozent seit der BEG-Reform vom 21. Juli 2026, ab 1. Februar 2027 halbjährlich minus 4 Prozentpunkte.
- Installateur jetzt buchen: Realistische Vorlaufzeit 6 bis 12 Monate von Erstkontakt bis Inbetriebnahme. Wer Winter 2026/27 mit Wärmepumpe heizen will, muss spätestens im Sommer 2026 den Auftrag erteilen.
Ausblick H2 2026 und 2027#
Drei Entwicklungen prägen die nächsten 18 Monate:
- GModG-Inkrafttreten: erledigt. Bundestag und Bundesrat haben das Gesetz am 10. Juli 2026 verabschiedet, verkündet wurde es am 28. Juli, in Kraft sind die ersten Regelungen seit dem 29. Juli 2026. Weitere Teile folgen gestaffelt bis 2030.
- Förderpfad Klimabonus: Der Klimageschwindigkeitsbonus liegt seit dem 21. Juli 2026 bei 16 Prozent, sinkt zum 1. Februar 2027 auf 12 Prozent und danach halbjährlich um weitere 4 Prozentpunkte. Das motiviert dazu, den KfW-458-Antrag nicht unnötig aufzuschieben; eine Zusage sichert die Konditionen für 36 Monate.
- 2028er Stichtag Kältemittel: Ab 1. Januar 2028 sind nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln (R290) KfW-förderfähig. Hersteller wie Stiebel Eltron, Daikin und Vaillant haben ihre R290-Modelle bereits am Markt, andere noch in der Umstellung.
Die BWP-Prognose für das Gesamtjahr 2026 liegt inzwischen höher: Beim FORUM Wärmepumpe hat der Verband sein Basisszenario auf bis zu 410.000 Geräte angehoben, sofern Förderkulisse und Heizungsrecht stabil bleiben. Das wäre ein Plus von rund 37 Prozent gegenüber den 299.000 Geräten von 2025. Im ambitionierten Klima-Szenario, das zusätzlich eine Stromsteuersenkung voraussetzt, hält der BWP sogar mehr als 530.000 Geräte für möglich. Q1 2026 mit 83.500 Stück passt zu diesem Pfad.
Update August 2026: Die Halbjahreszahlen bestätigen den Trend. Laut BWP/BDH-Statistik vom 6. August 2026 wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 195.000 Wärmepumpen abgesetzt, ein Plus von 40 Prozent und der zweithöchste Halbjahreswert seit Beginn der Statistik. Die vollständige Analyse steht im Ratgeber zum Wärmepumpen-Absatz im ersten Halbjahr 2026.
Fachbegriffe wie GModG, KfW 458, Klimageschwindigkeitsbonus, Bio-Treppe, R290 und CO2-Preis (BEHG) werden im zentralen Energie-Glossar ausführlich erklärt. Im Fließtext oben erscheinen kurze Hover-Tooltips über das `tooltip.js`-System.
Quellen und Nachweise (Primärquellen)
- BDH: Absatzzahlen Heizungen Deutschland 2025 (PDF, 31. Januar 2026, Primärquelle Heizungsmarkt-Stückzahlen)
- BWP: Absatzzahlen Wärmepumpen (Primärquelle Marktstatistik, laufend aktualisiert)
- KfW: Erstes Quartal 2026, 3,0 Milliarden Euro Energieeffizienz-Förderung (Primärquelle)
- Deutsche Handwerks Zeitung, 26.02.2026: Wärmepumpen 33 Prozent mehr Absatz (BWP-Zitat Martin Sabel, Original-Interview)
- Euronews, 14.05.2026: Germany scraps renewable heating law (EHPA-Daten, Jan-Rosenow-Zitat im Original)
- tab.de: GModG, BDH und BWP bewerten Referentenentwurf unterschiedlich
- SI-SHK: GModG, Verbände warnen vor Rückschritten bei der Wärmewende (BWP-Zitat wörtlich)