Die Halbjahresbilanz im Detail: 195.000 Geräte#

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) und der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) haben am 6. August 2026 ihre Absatzstatistik für das erste Halbjahr vorgelegt: Rund 195.000 Heizungs-Wärmepumpen wurden von Januar bis Juni 2026 an Großhandel und Fachhandwerk geliefert. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 mit rund 139.500 Geräten ist das ein Plus von 40 Prozent.

Die Halbjahreszahl bestätigt den Trend, der sich seit Jahresbeginn abzeichnet. Bereits das erste Quartal hatte mit 83.500 Geräten und plus 34 Prozent überrascht, im zweiten Quartal hat das Wachstum also noch einmal zugelegt. Die Q1-Analyse mit allen Details steht im Ratgeber zum Wärmepumpen-Boom im ersten Quartal 2026.

Wichtig für die Einordnung der Zahl: Die Verbandsstatistik misst die Lieferungen der Hersteller an Großhandel und Fachhandwerk, nicht die tatsächlich installierten Anlagen beim Endkunden. Zwischen Lieferung und Inbetriebnahme können Monate liegen. Als Marktbarometer ist die Statistik trotzdem der Standard, weil sie seit Jahren einheitlich erhoben wird.

Einordnung: nur der Ausnahme-Sommer 2023 war stärker#

195.000 Geräte in sechs Monaten sind der zweithöchste Halbjahreswert seit Beginn der Statistik. Nur das erste Halbjahr 2023 lag mit rund 196.500 Geräten knapp darüber. Der Unterschied zwischen beiden Ausnahme-Halbjahren liegt im Umfeld:

HalbjahrAbsatzMarktumfeld
H1 2023rund 196.500Gaskrise, Angst-Käufe in der Heizungsgesetz-Debatte, danach Markteinbruch 2024
H1 2025rund 139.500Markterholung nach dem Einbruch, stabilisierte KfW-458-Förderung
H1 2026rund 195.000Drittes Wachstumsquartal in Folge, planbare Förderkulisse bis zur BEG-Reform im Juli

2023 war ein Panik-Peak: Auf das Rekord-Halbjahr folgte 2024 ein Einbruch auf 193.000 Geräte im Gesamtjahr. Der aktuelle Anstieg verläuft anders. Er baut auf dem Rekordjahr 2025 mit 299.000 verkauften Wärmepumpen auf, in dem die Wärmepumpe erstmals die Gasheizung als meistverkaufte neue Heiztechnik überholt hat. Die vollständige Marktentwicklung mit der BWP-Jahresprognose steht im Überblick zum Wärmepumpen-Markt 2026.

Was den Absatz treibt: fossile Kostenangst und BEG-Erfolg#

BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel führt das Wachstum auf zwei Faktoren zurück:

„Die gute Entwicklung ist vor allem auf das steigende Bewusstsein der Verbraucher für die Risiken der Wärmeversorgung mit fossilen Energien und gleichzeitig auch auf den großen Erfolg der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zurückzuführen."

Dr. Martin Sabel, Geschäftsführer Bundesverband Wärmepumpe (BWP), Pressemitteilung vom 6. August 2026

Beide Treiber lassen sich mit Zahlen unterlegen. Bei der Förderung meldete der BWP für Januar bis Mai 2026 bereits 145.543 BEG-Förderzusagen für Wärmepumpen. Beim Thema fossile Risiken verweist Sabel auf die geopolitische Lage:

„Die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten verdeutlichen, dass Deutschland noch viel zu abhängig von fossilen Energieträgern ist. Die BEG hilft Verbrauchern, sich aus der fossilen Kostenfalle zu befreien und stärkt gleichzeitig die geopolitische Souveränität des Landes."

Dr. Martin Sabel, BWP, Pressemitteilung vom 6. August 2026

Dazu kommt der CO2-Preis, der Gas und Öl planbar verteuert: 2026 wird er erstmals versteigert, im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Auch das GModG hat den Markt nicht gebremst. Seit dem 29. Juli 2026 ist die 65-Prozent-Pflicht beim Heizungstausch Geschichte, die Kaufentscheidung für die Wärmepumpe fällt trotzdem, weil sie wirtschaftlich getrieben ist. Was das Gesetz im Detail ändert, steht im Ratgeber GModG in Kraft: was jetzt gilt.

Förderung: im Juli gekürzt, laut Koalition bis 2030 gesichert#

Bemerkenswert an der Halbjahresbilanz ist ihr Zeitfenster: Sie endet am 30. Juni und bildet damit ausschließlich die alten, höheren Förderkonditionen ab. Seit dem 21. Juli 2026 gelten laut KfW-Produktseite 458 die gekürzten BEG-Sätze: Grundförderung 30 Prozent, Klimageschwindigkeitsbonus 16 statt 20 Prozent, Einkommensbonus neu gestaffelt mit 40, 30 oder 10 Prozent, förderfähige Kosten auf 28.000 Euro je Einfamilienhaus gedeckelt. Den vollständigen Vergleich alt gegen neu zeigt der Überblick zur gekürzten Wärmepumpen-Förderung.

Ob die Kürzung den Absatz in der zweiten Jahreshälfte bremst, zeigen erst die Q3-Zahlen. Der BWP setzt auf Verlässlichkeit statt Höhe und begrüßt die Zusage der Regierungskoalition, das Programm langfristig fortzuführen:

„Vor diesem Hintergrund begrüßen wir ausdrücklich, dass die Regierungskoalition hier jetzt Klarheit für die Verbraucher geschaffen hat, dass dieses sehr beliebte und erfolgreiche Förderprogramm bis zum Jahr 2030 verlässlich fortgeführt wird."

Dr. Martin Sabel, BWP, Pressemitteilung vom 6. August 2026

Für Antragsteller heißt das: Die Förderung bleibt, aber sie schrumpft planmäßig weiter. Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte und entfällt zum 1. August 2028 ganz. Wer die aktuellen Sätze sichern will, stellt den KfW-458-Antrag vor dem nächsten Absenkungsschritt, und immer vor der Unterschrift unter den Liefer- oder Leistungsvertrag.

Was die Halbjahreszahl für das Gesamtjahr bedeutet#

Die BWP-Jahresprognose 2026 reicht vom Basisszenario mit 332.500 Geräten bis zum optimistischen Szenario mit rund 410.000. Rechnet man das erste Halbjahr einfach hoch, käme man auf rund 390.000 Geräte, also klar in Richtung des optimistischen Pfads. Diese Rechnung ist allerdings eine grobe Schätzung: Das Heizungsgeschäft ist saisonal, und die seit dem 21. Juli geltende Förderkürzung könnte die zweite Jahreshälfte dämpfen.

Zwei Punkte sprechen dafür, dass der Markt robust bleibt. Erstens war der Absatz schon vor der großen Förderdebatte im Frühjahr stark, das Wachstum verteilt sich auf alle sechs Monate. Zweitens bleibt die ökonomische Grundlogik unverändert: steigender CO2-Preis auf fossile Brennstoffe, gesunkene Wärmepumpen-Preise und eine Förderung, die trotz Kürzung noch bis zu 70 Prozent der Kosten übernimmt.

Beratung zur Wärmepumpen-Auslegung mit Tablet vor einem Einfamilienhaus, Symbolbild für die Heizungsplanung 2026 Symbolbild - AI generiert
Bild: AI generiert / EMA Energiewelt

Was Hausbesitzer aus den Zahlen mitnehmen sollten#

Drei praktische Schlüsse aus der Halbjahresbilanz:

  • Kapazitäten früh sichern: 195.000 ausgelieferte Geräte wollen installiert werden. Die Fachbetriebe für Sanitär, Heizung und Klima (SHK) sind vielerorts ausgebucht, realistisch bleiben drei bis neun Monate zwischen Erstangebot und Inbetriebnahme. Wer im Winter 2026/27 mit der Wärmepumpe heizen will, sollte jetzt Angebote einholen.
  • Förder-Reihenfolge einhalten: Erst der KfW-458-Antrag mit Bestätigung des Fachunternehmers, dann der Liefer- oder Leistungsvertrag. Wer zuerst unterschreibt, verliert den kompletten Förderanspruch. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber zur Wärmepumpen-Förderung maximieren.
  • Gerätewahl auf Schallregel prüfen: Seit dem 1. Januar 2026 sind nur noch Luft-Wärmepumpen förderfähig, die den EU-Schallgrenzwert um 10 dB unterschreiten. Die Auswahl ist dadurch enger geworden, Details im Ratgeber zum KfW-458-Schallschutz.

Ob sich der Umstieg im eigenen Haus rechnet, hängt von Gebäude, Vorlauftemperatur und Stromtarif ab. Eine erste belastbare Einschätzung inklusive Förderberechnung liefert der Wärmepumpen-Rechner.

Fachbegriffe wie KfW 458, Klimageschwindigkeitsbonus, GModG und JAZ werden im zentralen Energie-Glossar ausführlich erklärt.