Kann eine Wärmepumpe kühlen?#

Ja, eine Wärmepumpe kann kühlen, sofern das Gerät dafür ausgelegt ist. Das Grundprinzip bleibt dasselbe wie beim Heizen: Die Anlage verschiebt Wärme von einem Ort zum anderen. Im Winter holt sie Wärme aus Luft oder Erdreich ins Haus, im Sommer transportiert sie überschüssige Wärme aus den Räumen nach draußen. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) spricht deshalb von der Wärmepumpe als Ganzjahrestechnologie: ein System für Heizen, Warmwasser und Kühlen.

Entscheidend ist der Anlagentyp. Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdsonde und Grundwasser-Anlagen beherrschen die besonders sparsame passive Kühlung. Luft-Wasser-Wärmepumpen kühlen aktiv, wenn ihr Kältekreis umkehrbar ist, was bei vielen aktuellen Modellen ab Werk der Fall ist. Luft-Luft-Systeme, also Klimaanlagen mit Heizfunktion, kühlen ohnehin. Sie arbeiten aber mit Luft statt Wasser als Verteilmedium und sind ein eigenes Thema. Nur reine Heizgeräte ohne Kühlfunktion bleiben außen vor.

Passive vs. aktive Kühlung: der Unterschied#

Der BWP unterscheidet in seinem Beitrag vom 30. Juli 2026 zwei Verfahren. Bei der passiven Kühlung (auch natural cooling genannt) bleibt der Verdichter aus. Nur die Umwälzpumpe läuft und führt die Raumwärme über den Heizkreis ins kühlere Erdreich oder Grundwasser ab. Das funktioniert ausschließlich bei Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen, denn die warme Sommerluft taugt nicht als Kältequelle. Der Charme dieser Lösung: Sie braucht kaum Antriebsenergie, und ein Teil der ins Erdreich geschobenen Wärme regeneriert die Erdsonde für den nächsten Winter.

Bei der aktiven Kühlung läuft der Verdichter, und der Kältekreis wird über ein Vierwegeventil umgekehrt. Die Wärmepumpe arbeitet dann wie ein Kühlschrank: Sie entzieht den Räumen Wärme und gibt sie nach draußen ab. Das können auch Luft-Wasser-Wärmepumpen, sofern sie reversibel sind. Die Kühlwirkung ist deutlich stärker als bei der passiven Variante, kostet dafür aber spürbar mehr Strom.

KriteriumPassive KühlungAktive Kühlung
AnlagentypSole-Wasser, GrundwasserLuft-Wasser (reversibel), auch Sole-Wasser möglich
Verdichteraus, nur Umwälzpumpe läuftläuft
Kühlwirkungsanfte Temperierungspürbare Kühlung
Stromkosten pro Sommerca. 10 bis 20 € (Schätzung)ca. 50 bis 150 € (Schätzung)
Zusatznutzenregeneriert die Erdsondemit PV-Überschuss fast kostenlos

Kühlen über die Fußbodenheizung: Taupunkt beachten#

In den meisten Häusern übernimmt die Fußbodenheizung die Verteilung der Kühle. Statt warmem Wasser zirkuliert im Sommer kühles Wasser durch die Rohrschleifen, der Boden nimmt Raumwärme auf. Diese stille Flächenkühlung arbeitet ohne Zugluft und ohne Gebläsegeräusch. Als Faustwert nennen Hersteller eine Absenkung der Raumtemperatur um etwa 2 bis 3 Grad. Das ist Temperierung, keine Klimaanlagen-Kälte, an heißen Tagen aber genau der Unterschied zwischen stickig und angenehm. Wie gut Fußbodenheizung und Wärmepumpe zusammenspielen, gilt fürs Kühlen genauso wie fürs Heizen.

Verlegte Fußbodenheizungsrohre mit Verteilerstation in einem modernen Wohnraum Symbolbild - AI generiert
Die Fußbodenheizung wird im Sommer zur Kühlfläche. Bild: AI generiert / EMA Energiewelt

Die physikalische Grenze setzt der Taupunkt. Sinkt die Oberflächentemperatur des Bodens unter die Taupunkttemperatur der Raumluft, kondensiert Luftfeuchtigkeit und der Boden beschlägt. Deshalb regelt die Anlage die Vorlauftemperatur nicht beliebig tief, in der Praxis üblich sind etwa 16 bis 18 Grad als Untergrenze. Ein Taupunktwächter oder Feuchtefühler überwacht das und schaltet ab, bevor Kondensat entsteht. Wer stärker kühlen will, greift zu Gebläsekonvektoren: Diese Fan-Coils arbeiten mit kälterem Wasser, führen Kondensat kontrolliert ab und entfeuchten die Luft, womit sie einem Klimagerät nahekommen.

Was kostet Kühlen mit der Wärmepumpe?#

Die passive Kühlung ist konkurrenzlos günstig, weil nur die Umwälzpumpe und die Regelung Strom ziehen. Eine Beispielrechnung: Läuft die Pumpe mit rund 70 Watt über 500 Stunden im Sommer, ergibt das etwa 35 kWh. Bei 28 Cent je Kilowattstunde sind das rund 10 Euro pro Sommer. Je nach Pumpe, Laufzeit und Tarif landen die meisten Anlagen geschätzt zwischen 10 und 20 Euro.

Die aktive Kühlung braucht den Verdichter. Ihre Effizienz beschreibt der EER, das Kühl-Gegenstück zum COP; saisonal gemittelt heißen die Kennzahlen SEER beziehungsweise SCOP. Herstellerangaben zum EER liegen meist zwischen 3 und 5, aus 1 kWh Strom werden also 3 bis 5 kWh Kälte. Für ein Einfamilienhaus mit rund 1.000 kWh Kühlbedarf im Sommer ergibt das bei EER 4 etwa 250 kWh Strom, also rund 70 Euro. Je nach Gebäude, Sommerverlauf und Strompreis ist eine Spanne von etwa 50 bis 150 Euro realistisch. Beides sind Schätzwerte, keine Messwerte; die Annahmen stehen in der Methodik-Box am Ende des Artikels.

Zur Einordnung: Ein Split-Klimagerät kühlt stärker und entfeuchtet, verursacht aber Anschaffungskosten für ein zweites System. Wer bereits eine kühlfähige Wärmepumpe samt Flächenheizung besitzt, bekommt die Grundkühlung praktisch geschenkt.

Kühlen mit PV-Überschuss#

Beim Heizen ist die Wärmepumpe ein Winterverbraucher, beim Kühlen dreht sich das um: Der Strombedarf fällt genau dann an, wenn die PV-Anlage am meisten liefert. Sommermittag, hohe Einstrahlung, warmes Haus, voller Solarertrag: Kühlbedarf und PV-Erzeugung sind fast deckungsgleich.

Das rechnet sich doppelt. Eingespeister Überschuss bringt seit dem 1. August 2026 nur noch 7,70 Cent je Kilowattstunde (Teileinspeisung bis 10 kWp). Wer ihn stattdessen in den Kühlbetrieb steckt, spart Bezugsstrom für rund 30 Cent. Aktive Kühlung mit PV-Überschuss läuft damit praktisch zum Nulltarif. Ein Energiemanagementsystem kann den Kühlbetrieb gezielt auf Überschussphasen takten, wie es das Dreigespann aus PV, Wärmepumpe und HEMS vormacht. Weitere Stellschrauben für hohen Selbstverbrauch stehen im Ratgeber zum Eigenverbrauch maximieren.

Kühlung nachrüsten: geht das bei meiner Anlage?#

Ob sich die Kühlfunktion nachrüsten lässt, hängt vom Anlagentyp ab. Viele aktuelle Luft-Wasser-Wärmepumpen sind ab Werk reversibel, die Kühlfunktion ist dann nur eine Frage der Regelung und wird vom Fachbetrieb freigeschaltet. Bei Sole-Wasser-Anlagen lässt sich die passive Kühlung über ein Kühlpaket nachrüsten, im Kern ein zusätzlicher Wärmetauscher samt Regelung. Hersteller- und Handwerksangaben bewegen sich hier meist zwischen einigen hundert und wenigen tausend Euro, je nach Anlage und Aufwand. Reine Heizgeräte ohne vorbereitete Kühlfunktion sind dagegen kaum sinnvoll umzurüsten.

So prüfen Sie Ihre Anlage in vier Schritten:

  1. Modell klären: Typenbezeichnung notieren und im Datenblatt nachsehen, ob das Gerät als reversibel oder kühlfähig geführt wird.
  2. Fachbetrieb fragen: Hersteller oder Installateur bestätigen lassen, ob Kühlbetrieb oder Kühlpaket für Ihre Anlage verfügbar ist.
  3. Verteilung prüfen: Wassergeführte Flächenheizung oder Gebläsekonvektoren vorhanden? Klassische Heizkörper eignen sich in der Regel nicht zum Kühlen.
  4. Taupunktschutz einplanen: Taupunktwächter beziehungsweise Feuchtefühler einbauen und kühlende Leitungen gegen Schwitzwasser dämmen lassen.

Markt und Forschung 2026#

Kühlen mit der Wärmepumpe ist kein Nischenthema mehr. Der BWP widmete dem Doppelnutzen Ende Juli 2026 einen eigenen Europa-Beitrag. Nach den Hitzesommern der letzten Jahre stuft die European Heat Pump Association (EHPA) Kühlung nicht mehr als Komfortfrage ein, sondern als Schutz vor Überhitzung in Innenräumen. Das gilt gerade in schlecht gedämmten Wohnungen, Schulen und Pflegeeinrichtungen. Die EU-Kommission hat einen Cooling and Heating Action Plan angekündigt. Die Energieeffizienzrichtlinie erkennt Kühlung bereits als Energiedienstleistung an. Über Modelle wie Social Leasing sollen effiziente Heiz- und Kühlsysteme auch für Haushalte mit geringem Einkommen erreichbar werden.

Der Markt liefert die Zahlen dazu. Laut EHPA wurden im ersten Quartal 2026 in elf europäischen Ländern rund 575.000 Wärmepumpen verkauft, ein Plus von 17 Prozent, mit Deutschland, Frankreich und Polen als Wachstumstreibern. In Deutschland war die Wärmepumpe 2025 mit 299.000 verkauften Geräten erstmals die meistverkaufte neue Heiztechnik, mehr dazu im Bericht zum Wärmepumpen-Boom im ersten Quartal 2026.

„Verbraucher haben erkannt, dass Wärmepumpen die Lösung sind, wenn Gas- und Ölpreise sowie die Versorgung unsicher sind."

Paul Kenny, Generaldirektor der European Heat Pump Association, zur EHPA-Quartalsbilanz Q1 2026

Auch die Forschung arbeitet an der Ganzjahres-Wärmepumpe. Das Fraunhofer ISE hat Ende Juli 2026 die Ergebnisse des Projekts LC R290 vorgestellt: Wärmepumpen-Konzepte mit dem natürlichen Kältemittel Propan für Mehrfamilienhäuser. Dazu zählen ein Demonstrator mit 20 Prozent weniger Kältemittel-Füllmenge bei 15 Prozent höherer Effizienz und ein Wohnungsgerät, das mit nur 150 Gramm Propan auskommt. Das ist Heizungs-Forschung, kein Kühl-Produkt. Es zeigt aber, wohin die Gerätetechnik läuft: kompakt, effizient und mit natürlichem Kältemittel, das auch für die Förderung ab 2028 eine zentrale Rolle spielt.

Fachbegriffe wie SCOP, COP, Vorlauftemperatur, Kältemittel und R290 erklärt unser Energie-Glossar.