Die Zahlen im Detail#
Der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) hat am 1. April 2026 die Zahlen zum Strommix des ersten Quartals veröffentlicht. Die Erneuerbaren erreichten demnach 53 Prozent Anteil am Bruttostromverbrauch, ein deutlicher Sprung gegenüber den 47 Prozent des Vorjahresquartals. In absoluten Zahlen: 73,4 Terawattstunden aus erneuerbaren Quellen gegenüber 64,7 TWh in Q1 2025. Der Rest des Strombedarfs wurde durch Erdgas, Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie-Importe aus Frankreich gedeckt.
| Erzeugungsart | Q1 2025 in TWh | Q1 2026 in TWh | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Wind an Land | ca. 27,0 | 34,4 | +27 Prozent |
| Wind auf See | ca. 6,6 | 9,8 | +48 Prozent |
| Photovoltaik | ca. 12,8 | 13,5 | +5 Prozent |
| Biomasse | ca. 11,5 | 11,0 | minus 4 Prozent |
| Wasserkraft | ca. 3,5 | 3,3 | minus 6 Prozent |
| Gesamt erneuerbar | 64,7 | 73,4 | +13 Prozent |
Bei der Biomasse-Zahl lohnt ein Blick auf die Politik: Im Mai 2026 verabschiedet das Bundeskabinett die Neufassung der Biomasseverordnung. Sie streicht Industrie-Rundholz und Stümpfe aus der EEG-Stromvergütung, Hackschnitzel und Pellets bleiben aber förderfähig. Auswirkungen auf die Anlagenzahl sind kurzfristig nicht zu erwarten.
Windenergie ist der Treiber#
Der stärkste Zuwachs kommt aus der Windenergie. Sowohl Onshore- als auch Offshore-Anlagen haben zwischen Januar und März 2026 deutlich mehr Strom erzeugt als im Vorjahr. Zwei Faktoren: Das Wetter war windreicher (stabile Westwind-Lagen im Februar und März), und der Anlagenbestand ist durch neue Inbetriebnahmen deutlich gewachsen. Das IWR (Institut für Wirtschaftsforschung zur Regenerativen Energiewirtschaft) meldet für Q1 2026 einen Zubau von 228 neuen Windenergieanlagen mit zusammen 1.532,7 Megawatt Bruttoleistung. Ein Plus von 49 Prozent gegenüber Q1 2025.
Die regionale Verteilung des Onshore-Zubaus:
- Nordrhein-Westfalen: 332 MW neu in Betrieb, Spitzenreiter bundesweit
- Niedersachsen: 308 MW neu, historisch starker Wind-Bundeslandes
- Schleswig-Holstein: 130 MW neu, hat traditionell hohe Volllaststunden
- Übrige Bundesländer: 295 MW neu verteilt
Photovoltaik: schwaches Q1 ist normal#
Mit 13,5 TWh im ersten Quartal bleibt Photovoltaik hinter der Windenergie zurück. Das ist aber kein Schwächezeichen, sondern saisonal normal: PV-Anlagen produzieren in Deutschland rund 70 Prozent ihres Jahresertrags zwischen Mai und August. Das Q1 entspricht meist nur 12 bis 15 Prozent des Jahresertrags. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der BDEW einen PV-Beitrag von über 70 TWh, was rund 15 Prozent der deutschen Bruttostromerzeugung ausmacht.
Der Zubau in der PV bleibt stabil. Laut Bundesnetzagentur wurden allein im März 2026 rund 1.411 MW neue PV-Leistung installiert. Auf Q1-Basis sind das etwa 3.100 MW Zubau, erwartungsgemäß weiterhin hoch. Entscheidend für 2026: Bei fortlaufendem Tempo erreicht Deutschland zum Jahresende eine installierte PV-Gesamtleistung von rund 120 GW.
Den längerfristigen Trend bestätigt der Anfang Juni 2026 erschienene Fortschrittsmonitor Energiewende von BDEW und EY: 2025 war mit 17,6 GW PV-Nettozubau das dritte Rekordjahr in Folge, Ende 2025 waren rund 118 GW installiert. Über das Gesamtjahr 2025 deckten die Erneuerbaren rund 56 Prozent des Bruttostromverbrauchs. Für das 2030-Ziel von 215 GW Photovoltaik muss das Tempo dennoch weiter steigen, auf künftig rund 19,6 GW Zubau pro Jahr.
Was bedeuten die Zahlen für Verbraucher?#
Die guten Erneuerbaren-Zahlen haben für Hausbesitzer drei konkrete Auswirkungen:
- Sinkende Börsenpreise: Je höher der EE-Anteil, desto mehr Stunden mit niedrigen oder negativen Börsenpreisen. Für Haushalte mit dynamischen Stromtarifen sind Einsparungen von 10 bis 20 Prozent realistisch, besonders bei guter Lastverschiebung.
- Eigenverbrauch lohnt sich weiterhin: Auch wenn der Strommix grüner wird, bleibt der Eigenverbrauch einer eigenen PV-Anlage wirtschaftlich attraktiv. Der Strompreis für Haushaltskunden liegt bei 30 bis 37 Cent pro Kilowattstunde, die EEG-Einspeisevergütung bei nur 7,70 Cent. Details im Ratgeber zum Eigenverbrauch-Maximieren.
- Wärmepumpe wird grüner: Der Strom, mit dem eine Wärmepumpe betrieben wird, stammt zu 53 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Die CO2-Bilanz der Wärmepumpe verbessert sich entsprechend, Hintergründe im Ratgeber Heizkostenvergleich 2025.
80-Prozent-Ziel bis 2030: machbar?#
Das Koalitionsziel lautet: 80 Prozent Erneuerbare am Bruttostromverbrauch bis 2030. Der aktuelle Trend deutet auf etwa 75 bis 78 Prozent hin, knapp unter dem Ziel. Ob die letzten Prozentpunkte erreicht werden, hängt von drei Faktoren ab:
- Windkraft-Zubau: Muss von aktuell 228 Anlagen pro Quartal auf 250 bis 300 Anlagen pro Quartal steigen, also rund 1.000 bis 1.200 Anlagen pro Jahr.
- Netzausbau: Die Nord-Süd-Stromtrassen (SuedLink, SuedOstLink) müssen bis 2028 in Betrieb gehen, um den Wind-Strom in die Verbrauchszentren im Süden zu transportieren.
- Speicher und Lastmanagement: Größer werdende Batterien und Power-to-X-Anlagen müssen Überschüsse aus sonnen- oder windreichen Tagen aufnehmen.
Quellen und Nachweise
- BDEW, 01.04.2026: Erneuerbare decken 53 Prozent des Bruttostromverbrauchs (Primärquelle)
- BDEW/EY, 02.06.2026: Fortschrittsmonitor Energiewende 2026 (17,6 GW PV-Zubau 2025, 118 GW Gesamtleistung, 56 Prozent EE-Anteil 2025)
- IWR: Windenergie-Zubau Q1 2026 (1.532,7 MW)
- SMARD: Strommarktdaten-Plattform der Bundesnetzagentur
- Bundesnetzagentur: Erneuerbare-Energien-Statistik
- Solarserver, 16.04.2026: Bundesnetzagentur zu März-PV-Zubau (1,4 GW)