Wenn jemand sagt „der Börsenstrompreis ist gerade günstig", meint er in der Regel den EPEX-Spot-Preis, den Preis, zu dem Strom am nächsten Tag an der europäischen Strombörse gehandelt wird. Für die meisten Haushalte war das lange irrelevant. Mit dynamischen Stromtarifen wird es das nicht mehr.
Wer mit Tibber, aWATTar oder einem ähnlichen Anbieter seinen Strom kauft, zahlt stündlich den aktuellen EPEX-Kurs plus Marge. Das kann vorteilhaft sein, aber nur wer versteht, wie der Preis entsteht, kann ihn strategisch nutzen.
Was ist die EPEX SPOT?
Die EPEX SPOT SE (European Power Exchange) ist die wichtigste Strombörse für den kurzfristigen Stromhandel in Mitteleuropa. Sie hat ihren Sitz in Paris und betreibt Märkte für Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande und weitere Länder.
An der EPEX SPOT wird Strom für die nahe Zukunft gehandelt, stunden- und viertelstundenweise. Das unterscheidet sie von langfristigen Terminmärkten (wie der EEX), an denen Strom für Monate oder Jahre im Voraus gehandelt wird.
Day-Ahead-Markt erklärt
Der wichtigste Markt für Verbraucher ist der Day-Ahead-Markt: Jeden Tag um 12 Uhr werden die Preise für alle 24 Stunden des nächsten Tages festgesetzt. Käufer (Versorger, große Industriebetriebe) und Verkäufer (Kraftwerksbetreiber, PV-Anlagenbetreiber) geben bis 12 Uhr ihre Gebote ab.
Nach dem Auktionsprinzip: Für jede Stunde des nächsten Tages wird der Preis festgestellt, bei dem sich Angebot und Nachfrage treffen. Die Ergebnisse sind öffentlich und können direkt nach 12:30 Uhr abgerufen werden, über EPEX direkt, über Dienste wie SMARD (Bundesnetzagentur) oder in unserer Live-Übersicht der EPEX-Spotpreise.
Daneben gibt es den Intraday-Markt: Hier wird kontinuierlich bis kurz vor der Lieferung gehandelt. Dieser Markt gleicht Abweichungen aus, zum Beispiel wenn eine Windprognose sich ändert oder eine Kraftwerk ungeplant ausfällt.
Wie der Preis entsteht
Das Prinzip ist einfach: Je mehr Strom verfügbar ist und je weniger Nachfrage besteht, desto günstiger. Typische Preismuster:
| Situation | Börsenstrompreis | Ursache |
|---|---|---|
| Sonniger Sommermittag | sehr niedrig (0 bis 5 Ct/kWh) | Viel PV, wenig Last |
| Morgens 7 bis 9 Uhr | höher (8 bis 15 Ct/kWh) | Nachfragesprung, PV noch nicht aktiv |
| Abends 18 bis 20 Uhr | oft am höchsten | Hohe Nachfrage, PV weg, Wind variabel |
| Winternacht mit Flaute | sehr hoch (15 bis 40 Ct/kWh) | Kaum Wind, kein Solar, hohe Heizlast |
| Sturm + Wochenende | negativ möglich | Viel Wind, niedrige Nachfrage |
Negative Strompreise: Wenn zu viel Strom da ist
Negative Preise sind kein Fehler des Systems, sie sind ein marktwirtschaftliches Signal. Wenn an sonnigen oder stürmischen Tagen deutlich mehr Strom produziert wird als verbraucht werden kann, müssen Erzeuger dafür bezahlen, dass jemand ihren Strom abnimmt.
Für PV-Einspeiser bedeutet das: An solchen Stunden gibt es keine Vergütung, sondern eine negative Vergütung, also Abzug. Allerdings trifft das bei privaten Anlagen nur dann zu, wenn die Einspeisung direkt am Börsenstrompreis hängt (z. B. bei Marktprämienmodell nach EEG). Normale EEG-Vergütungsempfänger unter 100 kWp sind davon nicht betroffen.
Für dynamische Tarifkunden ist es eine Chance: In negativen Preisstunden bekommt man Geld dafür, dass man Strom verbraucht. Wer dann die Waschmaschine laufen lässt oder das E-Auto lädt, verdient theoretisch dabei.
Dynamische Tarife für Privathaushalte
Seit 2021 müssen Stromversorger in Deutschland dynamische Tarife anbieten (§ 41a EnWG). Das hat den Markt geöffnet. Anbieter wie Tibber und aWATTar leiten den EPEX-Börsenstrompreis direkt an Kunden weiter, plus feste Marge (meist 0,8 bis 1,5 Ct/kWh) plus Netzentgelte und Abgaben.
Das Gesamtbild für einen Haushalt mit dynamischem Tarif: Der Börsenstrompreis macht im Endpreis nur ~20 bis 25% aus. Den größten Teil (60 bis 65%) bilden Netzentgelte und staatliche Abgaben, die fix sind. Das dämpft den Hebel, aber wer viel und flexibel verbraucht, spart trotzdem 50 bis 200 Euro pro Jahr.
Für PV-Haushalte mit HEMS: Kombination aus dynamischem Tarif und smarter Steuerung ergibt maximale Kosteneinsparung. Das HEMS verbraucht Strom in negativen oder sehr günstigen Stunden und vermeidet teure Abendspitzen.
Häufige Fragen
Wer bestimmt den Börsenstrompreis in Deutschland?
Der Börsenstrompreis entsteht an der EPEX SPOT SE (European Power Exchange), der wichtigsten Strombörse für den kurzfristigen Stromhandel in Mitteleuropa mit Sitz in Paris. Dort wird Strom für die nahe Zukunft stunden- und viertelstundenweise gehandelt. Das unterscheidet die EPEX von langfristigen Terminmärkten wie der EEX, an denen Strom für Monate oder Jahre im Voraus gehandelt wird.
Wie kommt der Preis am Day-Ahead-Markt zustande?
Am Day-Ahead-Markt werden jeden Tag um 12 Uhr die Preise für alle 24 Stunden des nächsten Tages festgesetzt. Käufer wie Versorger und Verkäufer wie Kraftwerksbetreiber geben bis 12 Uhr ihre Gebote ab, für jede Stunde gilt dann der Preis, bei dem sich Angebot und Nachfrage treffen. Die Ergebnisse sind öffentlich und können direkt nach 12:30 Uhr abgerufen werden, etwa über SMARD der Bundesnetzagentur.
Wie viel kostet Strom an der Börse im Durchschnitt?
2025 lag der durchschnittliche Börsenstrompreis bei etwa 7 bis 9 ct/kWh, mit starken Schwankungen zwischen -5 und +50 ct. Der Preis ändert sich stündlich und spiegelt Angebot und Nachfrage wider: Viel Sonne und Wind machen Strom billig, kalte und dunkle Stunden mit Flaute machen ihn teuer.
Wann ist Börsenstrom am günstigsten?
Am günstigsten ist Börsenstrom an sonnigen Sommermittagen mit viel PV und wenig Last: Dann liegt der Preis oft nur bei 0 bis 5 Ct/kWh. Am teuersten wird es in der Abendspitze zwischen 18 und 20 Uhr sowie in Winternächten mit Flaute, wo 15 bis 40 Ct/kWh möglich sind. Bei Sturm und niedriger Nachfrage am Wochenende kann der Preis sogar negativ werden.
Sind negative Strompreise schlecht für meine PV-Anlage?
Nein, normale EEG-Vergütungsempfänger mit Anlagen unter 100 kWp sind von negativen Börsenpreisen nicht betroffen. Ein Abzug entsteht nur, wenn die Einspeisung direkt am Börsenstrompreis hängt, zum Beispiel im Marktprämienmodell nach EEG. Für Kunden mit dynamischem Tarif sind negative Stunden sogar eine Chance: Wer dann die Waschmaschine laufen lässt oder das E-Auto lädt, bekommt Geld für den Verbrauch.
Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif wie Tibber oder aWATTar?
Ein dynamischer Stromtarif lohnt sich vor allem für Haushalte, die viel und flexibel verbrauchen: Sie sparen damit 50 bis 200 Euro pro Jahr. Anbieter wie Tibber und aWATTar leiten den EPEX-Börsenstrompreis direkt an Kunden weiter, plus feste Marge von meist 0,8 bis 1,5 Ct/kWh sowie Netzentgelte und Abgaben. Der Börsenanteil macht im Endpreis allerdings nur rund 20 bis 25% aus, der große Rest ist fix.
Quellen & weiterführende Informationen
- EPEX SPOT, Marktdaten und Handelsergebnisse Day-Ahead, Deutschland 2025
- Bundesnetzagentur SMARD, Großhandelsstrompreise, historische Daten, 2025
- EnWG § 41a, Pflicht zur Bereitstellung dynamischer Stromtarife, 2021
- Tibber, Wie dynamische Strompreise funktionieren, Produkterklärung, 2025
- Fraunhofer ISI, Energiemarkt und Preisbildung, Einführung für Haushalte, 2024