Wer heute ein Haus saniert, steht vor der Frage: Solarthermie für Warmwasser, Wärmepumpe für Heizung, oder alles aus einer Hand? Die Antwort hat sich in den letzten zehn Jahren verschoben. Solarthermie verliert Marktanteile. Nicht weil die Technik schlechter geworden ist, sondern weil die Konkurrenz, Wärmepumpe und PV, besser geworden ist.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen Solarthermie sinnvoll ist. Dieser Vergleich zeigt, wann welche Lösung passt, und wann die Kombination das Beste aus beiden Welten ist.

Grundprinzip: Was macht was?

Solarthermie (ST) nutzt Sonnenstrahlung direkt, um Wasser zu erwärmen. Flachkollektoren oder Vakuumröhren auf dem Dach übertragen Wärme an einen Wärmespeicher. Der Wirkungsgrad liegt bei 70 bis 85%, gemessen an der auftreffenden Sonnenstrahlung. Klingt gut. Der Haken: Im Winter, wenn der Heizbedarf hoch ist, liefert ST nur wenig. An bewölkten Wintertagen praktisch nichts.

Wärmepumpe (WP) nutzt Strom, um Wärme aus der Luft (oder dem Erdreich) auf ein höheres Temperaturniveau zu heben. Die JAZ gibt an, wie viele kWh Wärme pro kWh Strom erzeugt werden, bei modernen Luft-WP typischerweise 3,0 bis 4,5. Im Winter, also wenn geheizt werden muss, ist die WP aktiv. Im Sommer kaum.

Der entscheidende Unterschied: Solarthermie liefert Wärme genau dann am meisten, wenn der Bedarf am niedrigsten ist (Sommer). Wärmepumpen liefern Wärme genau dann, wenn der Bedarf am höchsten ist (Winter). Die Systeme sind saisonal komplementär.


Kostenvergleich im Detail

Merkmal Solarthermie (WW) Luft-Wasser-WP Sole-Wasser-WP
Anschaffungskosten3.000 bis 8.000 €12.000 bis 22.000 €20.000 bis 35.000 €
Förderung (BEG)Nein (seit 2021 gestrichen)Bis 70% BEGBis 70% BEG
Heizung möglich?Bedingt (Solarthermie + Heizung)Ja, vollständigJa, vollständig
Warmwasser möglich?Ja (Hauptaufgabe)Ja (WW-Modus)Ja (WW-Modus)
Laufende KostenNiedrig (Strom für Pumpe)Strom für BetriebStrom für Betrieb
WartungSole/Frostschutz alle 5 J.JährlichJährlich
Lebensdauer20 bis 25 Jahre15 bis 20 Jahre20 bis 25 Jahre

Ein wichtiger Punkt: Die BEG-Förderung für Solarthermie als alleinige Warmwasserbereitung wurde 2021 gestrichen. Wärmepumpen erhalten hingegen bis zu 70% Förderung (30% Grundförderung + 20% Klimabonus + 5% Effizienzbonus + bis zu 30% Einkommensbonus, gedeckelt auf 70%). Das hat die Wirtschaftlichkeitsrechnung stark verschoben.


Wirtschaftlichkeit: Zahlen statt Versprechen

Ein Musterhaushalt: Einfamilienhaus, 150 m², 4 Personen, Jahres-Wärmebedarf 15.000 kWh (Heizung + WW).

Szenario A: Solarthermie (nur WW)

6 m² Flachkollektor, 300-Liter-Speicher: deckt ca. 60% des WW-Bedarfs (3.000 kWh/Jahr bei ca. 5.000 kWh WW-Bedarf). Restlicher WW-Bedarf und gesamte Heizung bleiben beim bisherigen System (Gas/Öl).

  • Einsparung: ~800 kWh Gas/Jahr × 0,12 €/kWh = ca. 96 Euro/Jahr
  • Investition: 5.500 Euro (netto nach Eigenleistung)
  • Amortisation: 57 Jahre

Das ist ernüchternd. Solarthermie als alleinige Maßnahme hat schlechte Amortisationszeiten, selbst bei höheren Gaspreisen.

Szenario B: Luft-Wasser-Wärmepumpe

10 kW Luft-WP, Kosten 16.000 Euro brutto, nach 30 % BEG-Grundförderung: 11.200 Euro. JAZ 3,5, Stromkosten 0,32 €/kWh.

  • Heizkosten WP: 15.000 kWh ÷ 3,5 × 0,32 € = ca. 1.371 €/Jahr
  • Vergleich: Gas bei 0,12 €/kWh: 1.800 €/Jahr
  • Ersparnis: ca. 430 €/Jahr
  • Amortisation: 24 Jahre (bezogen auf Eigeninvestition 10.400 €)
Wenn die WP mit PV-Strom kombiniert wird, verbessert sich die Amortisation auf 14 bis 18 Jahre, mit fallenden PV-Kosten weiter sinkend.

Kombination: Sinn oder Aufwand?

Manche Installateure empfehlen die Kombination: Solarthermie für Warmwasser, Wärmepumpe für Heizung. Die Idee dahinter: Die WP muss sich weniger um WW kümmern und kann sich auf Heizung konzentrieren, was die JAZ verbessert.

In der Praxis ist das seltener sinnvoll als es klingt:

  • Moderne Luft-WP bereiten Warmwasser effizient bei JAZ 2,5 bis 3,0, nicht brillant, aber ausreichend
  • Die zusätzlichen Investitionskosten der ST (3.000 bis 8.000 €) rechnen sich durch die leicht verbesserte WP-JAZ nicht
  • Zwei Systeme bedeuten doppelte Wartung, mehr Komplexität, mehr Fehlerquellen
  • Hydraulisch müssen beide Systeme korrekt integriert werden, das ist anspruchsvoll und fehleranfällig

Sinnvoll ist die Kombination in einem Fall: Wenn das Haus ohnehin eine gut funktionierende Solarthermieanlage hat und eine WP nachgerüstet werden soll. Dann ist die ST bereits abbezahlt und kann die WP entlasten, ohne neue Investition zu erfordern.


Warum PV Solarthermie verdrängt

Seit 2012 sind PV-Preise um über 80% gefallen. Ein Kilowatt-Peak PV kostet heute 700 bis 900 Euro. Solarthermie-Preise sind kaum gesunken. Das verändert die Kalkulation grundlegend.

Ein Rechenbeispiel: 6 m² ST-Kollektorfläche kostet 4.000 bis 6.000 Euro und liefert jährlich ca. 2.400 kWh Wärme. Die gleiche Dachfläche als PV (ca. 1 kWp) kostet 900 Euro und liefert ca. 950 kWh Strom, die man mit der WP zu ca. 3.325 kWh Wärme umwandeln kann. PV + WP ist also auf gleicher Dachfläche etwa 40% effizienter in der Wärmeerzeugung.

Dazu kommt: PV-Strom kann für alles genutzt werden, Heizung, Warmwasser, Haushaltsgeräte, E-Auto. Solarthermie kann nur Wärme erzeugen. Die Flexibilität von PV ist ein struktureller Vorteil.

Technologie Kosten/m² Dachfläche Wärmeerzeugung/Jahr (m²) Flexibilität
Solarthermie (Flachkollektor)400 bis 600 €~400 kWh WärmeNur Wärme
PV + Luft-WP (JAZ 3,5)90 bis 120 €~550 kWh Wärme-ÄquivalentStrom + Wärme + mehr

Wann was sinnvoll ist

Wärmepumpe (ohne Solarthermie)

Für die meisten Neubauten und Sanierungen die erste Wahl. Vollständige Lösung für Heizung und WW, hohe Förderung, kombinierbar mit PV. Besonders stark wenn: gut gedämmtes Gebäude, PV vorhanden oder geplant, Flächenheizung.

Solarthermie (als Ergänzung)

Sinnvoll wenn: WP bereits vorhanden und gut funktionierende ST-Anlage kann günstig hinzugenommen werden; oder wenn Gasheizung als Übergangslösung bleibt und die WW-Bereitung verbessert werden soll ohne WP-Invest.

Kombination Neubau

Selten rentabel. Lieber die Dachfläche voll mit PV belegen und WP für alles nutzen. Die Zahlen sprechen für PV + WP gegenüber ST + WP.

Häufige Fragen

Was ist besser: Solarthermie oder Wärmepumpe?

Für die meisten Neubauten und Sanierungen ist die Wärmepumpe die bessere Wahl: Sie deckt Heizung und Warmwasser vollständig ab und erhält bis zu 70% BEG-Förderung. Solarthermie liefert die meiste Wärme im Sommer, also genau dann, wenn der Heizbedarf am niedrigsten ist. In der Gesamtrechnung gewinnt Wärmepumpe plus Photovoltaik gegenüber jeder Solarthermie-Lösung.

Lohnt sich Solarthermie 2026 noch?

Solarthermie lohnt sich 2026 als alleinige Maßnahme nur selten: Im Musterhaushalt spart eine 5.500 Euro teure Anlage nur ca. 96 Euro pro Jahr, die Amortisation liegt bei 57 Jahren. Die BEG-Förderung für Solarthermie als alleinige Warmwasserbereitung wurde 2021 gestrichen. Sinnvoll bleibt sie vor allem, wenn eine gut funktionierende Anlage bereits vorhanden ist.

Was kostet eine Wärmepumpe im Vergleich zu einer Solarthermieanlage?

Solarthermie für Warmwasser kostet 3.000 bis 8.000 Euro, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe 12.000 bis 22.000 Euro und eine Sole-Wasser-Wärmepumpe 20.000 bis 35.000 Euro. Der große Unterschied liegt in der Förderung: Wärmepumpen erhalten bis zu 70% BEG-Förderung, Solarthermie allein seit 2021 keine mehr. Das hat die Wirtschaftlichkeitsrechnung stark verschoben.

Lohnt sich die Kombination aus Solarthermie und Wärmepumpe?

Die Kombination lohnt sich meist nicht: Die zusätzlichen Investitionskosten der Solarthermie von 3.000 bis 8.000 Euro rechnen sich durch die leicht verbesserte JAZ der Wärmepumpe nicht, und zwei Systeme bedeuten doppelte Wartung und mehr Fehlerquellen. Sinnvoll ist sie nur, wenn eine gut funktionierende, bereits abbezahlte Solarthermieanlage vorhanden ist und die Wärmepumpe nachgerüstet wird.

Warum ist Photovoltaik mit Wärmepumpe besser als Solarthermie?

Photovoltaik plus Wärmepumpe ist auf gleicher Dachfläche etwa 40% effizienter in der Wärmeerzeugung als Solarthermie. Ein Rechenbeispiel: 6 m² Kollektorfläche kosten 4.000 bis 6.000 Euro und liefern ca. 2.400 kWh Wärme pro Jahr, die gleiche Fläche als PV kostet 900 Euro und ermöglicht mit der Wärmepumpe ca. 3.325 kWh Wärme. Zudem sind PV-Preise seit 2012 um über 80% gefallen, und PV-Strom lässt sich auch für Haushaltsgeräte und E-Auto nutzen.

Wie lange dauert es, bis sich eine Wärmepumpe amortisiert?

Im Musterhaushalt amortisiert sich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nach 24 Jahren, kombiniert mit PV-Strom verbessert sich die Amortisation auf 14 bis 18 Jahre. Die jährliche Ersparnis gegenüber Gas liegt bei ca. 430 Euro. Solarthermie allein braucht dagegen 40 bis 60 Jahre.

Quellen & weiterführende Informationen