Was der pvXchange-Index für Mai 2026 zeigt#

Der pvXchange-Modulpreisindex, der meistgenutzte Marktindikator für PV-Modulpreise in Europa, zeigt im Mai 2026 einen Anstieg, der die Branche aufhorchen lässt. High-Efficiency-Module (über 23 % Wirkungsgrad, also TOPCon, Heterojunction und xBC) kosten aktuell 0,150 EUR/Wp. Im Januar 2026 lag der Wert noch bei 0,115 EUR/Wp.

ModulklasseJan. 2026 (EUR/Wp)Mai 2026 (EUR/Wp)Veränderung
High Efficiency (TOPCon, HJT, xBC)0,1150,150+30,4 %
All Black (schwarze Rückfolie)0,1300,165+26,9 %
Mainstream (mono/bifazial bis 23 %)0,1050,130+23,8 %
Low Cost (Restposten, B-Ware)0,0550,070+27,3 %

Quelle: pvXchange Preisindex, Solarserver, Mai 2026

Das ist der stärkste Preisanstieg innerhalb von fünf Monaten seit 2021. Nach Jahren des Preisverfalls (Module kosteten 2022 noch über 0,30 EUR/Wp) schien das Preisniveau Ende 2025 den Boden erreicht zu haben. Die Gründe für die Wende liegen nicht in der üblichen Marktdynamik. Was hinter dem China-MwSt-Wegfall und seinen Folgen steckt, zeigt sich in zwei strukturellen Treibern.

Treiber 1: China streicht MwSt-Erstattung ab April 2026#

Chinas Finanzministerium verkündete am 8. Januar 2026, dass die Mehrwertsteuer-Exporterstattung für Solarmodule, Solarzellen, Wafer und Wechselrichter zum 1. April 2026 vollständig entfällt. Bis Dezember 2024 lag der Erstattungssatz bei 13 %, wurde dann auf 9 % gesenkt und fällt jetzt auf null. Für Käufer in Europa bedeutet das eine direkte Verteuerung der Importware um rund 9 Prozent.

Deutschland bezieht rund 88 % seiner Solarmodule aus China. Die Preiswirkung kam nicht sofort beim Endkunden an, weil deutsche Installateure und Großhändler in den Monaten Januar bis März 2026 Lagerbestände zu alten Einkaufspreisen aufgebaut hatten. Martin Schachinger, Geschäftsführer von pvXchange, ordnete die Situation im Februar 2026 ein:

„Der Preisanstieg ist auch ein Versuch der Hersteller, die Modulpreise in einen Bereich zu schieben, in dem sie wieder gut verdienen können."

Martin Schachinger, pvXchange, Februar 2026 via Solarserver

Das heißt: Die Verteuerung ist nicht rein rohstoffgetrieben, sondern auch ein bewusstes Repricing der Hersteller nach einer Phase extremer Margenerosion. Wer sich für die Auswirkungen auf Heimspeicher interessiert, findet die Analyse im Artikel China-MwSt und PV-Speicher-Preise 2026.

Treiber 2: Silber verteuert sich um 150 % und überholt Polysilizium#

In jeder Solarzelle steckt Silber. Silberpasten bilden die feinen Leiterbahnen auf der Zelloberfläche, die den erzeugten Strom zur Sammelschiene führen. Der Silberanteil pro Zelle ist gering (wenige Gramm), aber bei aktuellen Preisen von rund 84 USD pro Feinunze macht Silber inzwischen etwa 15 % der Modulkosten aus. Die PV-Industrie verbraucht jährlich rund 130 Millionen Unzen Silber, etwa 11 % des globalen Gesamtbedarfs.

Gleichzeitig liegt Polysilizium, der eigentliche Grundstoff für Solarzellen, mit 5,13 USD/kg auf einem Mehrjahrestief (Stand: Bernreuter Research, 20. Mai 2026). Das ist ein Paradox: Der Rohstoff, den die meisten als Preistreiber vermuten, ist billiger als seit Jahren. Was treibt, ist das Material, an das kaum jemand denkt.

Die Hersteller reagieren mit sogenanntem „Thrifting": weniger Silber pro Zelle durch dünnere Leiterbahnen und effizientere Siebdruckverfahren. TOPCon-Module brauchen aktuell rund 10 bis 12 mg Silber pro Watt, ältere PERC-Module lagen bei 15 bis 18 mg. Doch der Volumeneffekt durch den PV-Boom überwiegt die Einsparung pro Zelle. Das Silver Institute prognostiziert für 2025 ein Angebotsdefizit von 117 Millionen Unzen. Mehr zu den Unterschieden zwischen TOPCon und Standard-Modulen.

Welche Modultypen betrifft der Preisanstieg am stärksten?#

Der Preisanstieg betrifft alle Modulklassen, aber nicht gleichmäßig. All-Black-Module (mit schwarzer Rückfolie, beliebt bei Eigenheimbesitzern wegen der Optik) liegen mit 0,165 EUR/Wp am höchsten. Low-Cost-Module verzeichneten im März 2026 einen einmaligen Monatssprung von 8,3 %, den stärksten aller Klassen.

Für Hausbesitzer ist die Preisklasse „Mainstream" am relevantesten: Standard-Module mit mono- oder bifazialem Design bis 23 % Wirkungsgrad, die bei den meisten Dachinstallationen zum Einsatz kommen. Hier liegt der Anstieg bei 23,8 %, moderater als bei High-Efficiency-Modulen, aber deutlich spürbar.

TOPCon-Module, die 2025 den PERC-Standard als meistverkaufte Technologie abgelöst haben, sind überproportional vom Silberpreisanstieg betroffen. Zwar brauchen sie pro Zelle weniger Silber als ältere PERC-Module, doch ihr höherer Wirkungsgrad macht sie zum bevorzugten Produkt, und die Nachfrage hält die Marge stabil. Wer prüfen möchte, ob sich der Aufpreis für bifaziale Module im konkreten Fall lohnt, findet die Analyse im Bifazial-Ratgeber.

Wie weit können die Preise noch steigen? Prognose bis Ende 2026#

Die zwei Preistreiber wirken unterschiedlich lang. Die China-MwSt-Streichung ist dauerhaft, ein Rückgang auf alte Erstattungssätze ist nicht absehbar. Der Silberpreisanstieg hingegen ist zyklisch und hängt von globalen Angebotsengpässen ab, die sich 2027 entspannen könnten.

Der Bundesverband des Solarhandwerks (BDSH) rechnet für 2026 mit einer Gesamtverteuerung von rund 10 % auf Systemebene (nicht nur Module, sondern inkl. Wechselrichter und Installationsmaterial). Branchenanalysten erwarten für das zweite Halbjahr 2026 ein Preisplateau: kein weiterer Schock, aber auch keine Rückkehr auf die Tiefstpreise von Ende 2025.

Eine EU-Antisubventions- oder Antidumpingmaßnahme auf chinesische Solarmodule ist aktuell nicht geplant. Die historischen EU-Antidumpingzölle auf China-Module wurden 2018 aufgehoben und SolarPower Europe hat sich explizit gegen eine Neueinführung ausgesprochen. Das bedeutet: Der oft genannte „Zollschock" betrifft Module nicht, sondern bezieht sich auf US-Zölle und auf ein EU-Überprüfungsverfahren für Solarglas. Einen Überblick über alle Faktoren bietet der PV-Markt 2026.

Lohnt sich eine PV-Anlage noch trotz höherem Modulpreis?#

Module machen nur 30 bis 40 % der Gesamtkosten einer fertig installierten PV-Anlage aus. Der Rest entfällt auf Wechselrichter, Montagesystem, Verkabelung, Gerüst und Installationsarbeit. Ein Modulpreisanstieg von 30 % auf Spotmarktebene schlägt deshalb als 6 bis 8 % Mehrkosten bei der Gesamtanlage durch.

Konkretes Rechenbeispiel für eine 10-kWp-Dachanlage:

  • Gesamtkosten Ende 2025 (typisch): 9.000 bis 11.000 EUR netto
  • Modulpreis-Mehrkosten durch Anstieg: ca. 400 bis 700 EUR
  • Neue Gesamtkosten Mai 2026: ca. 9.500 bis 11.700 EUR netto
  • Amortisationszeit: verlängert sich um ca. 6 bis 12 Monate

Dem stehen unveränderte Erträge gegenüber. Die EEG-Einspeisevergütung liegt seit dem 1. August 2026 bei 7,70 ct/kWh (Teileinspeisung bis 10 kWp). Eigenverbrauchter Solarstrom ersetzt Netzstrom zu 30 bis 37 ct/kWh. Wer seine Anlage mit Speicher und Wärmepumpe kombiniert, steigert den Eigenverbrauchsanteil von typisch 30 % auf 60 bis 70 % und hebelt den Modulpreis-Effekt wirtschaftlich vollständig aus. Details dazu im Ratgeber PV, Wärmepumpe und HEMS als Dreigespann.

Was bedeutet das für Ihre Kaufentscheidung?#

Wer bis Ende des zweiten Quartals 2026 bestellt, hat eine realistische Chance, noch von Lagerbeständen zu profitieren, die vor dem MwSt-Stichtag eingekauft wurden. Ab dem zweiten Halbjahr 2026 sind die neuen Kosten weitgehend eingepreist. Warten auf sinkende Preise ist keine belastbare Strategie: Die China-MwSt-Streichung ist dauerhaft und die Silber-Engpässe struktureller Natur. Wie sich der Modulaufschlag zusammen mit den fallenden Speicherpreisen auf die Gesamtentscheidung auswirkt, ordnet der Ratgeber Photovoltaik mit Speicher 2026: kaufen oder warten? ein.

Drei Konstellationen und was jeweils sinnvoll ist:

  • Neubau oder Dachsanierung geplant: PV jetzt mitplanen. Der Modulpreis ist nur ein Baustein der Gesamtrechnung. Dachdecker und Gerüst sind ohnehin vor Ort, die Mehrkosten durch den Preisanstieg sind im Gesamtbudget marginal.
  • Nachrüstung auf bestehendem Dach: Angebote von mindestens zwei Installateuren einholen und nach Lagerware fragen. Wer flexibel beim Modulhersteller ist, findet oft günstigere Chargen.
  • Balkonkraftwerk: Der Preiseffekt liegt bei 20 bis 40 EUR Aufschlag. Das ist kein Grund zu warten.

Für die Finanzierung bietet der KfW 270 Förderkredit zinsgünstige Darlehen für PV und Speicher. Die Kreditkonditionen sind unabhängig von Modulpreisen und bleiben attraktiv. Eine vollständige Übersicht zu Finanzierungsoptionen gibt der Ratgeber zur PV-Finanzierung: Direktkauf, Kredit oder Leasing.

Fachbegriffe wie pvXchange-Index, TOPCon, Polysilizium und Wattpeak (Wp) werden im zentralen Energie-Glossar ausführlich erklärt.