Die Zahlen im Detail: Was sagt der BSW-Solar?#

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) legte am 2. und 3. Mai 2026 die Quartalsdaten vor. Datengrundlage: das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Im ersten Quartal 2026 gingen rund 3,51 GWp neue Photovoltaik-Leistung ans Netz. Gegenüber dem Vorjahresquartal sind das 6 Prozent weniger.

Hinter dem moderaten Gesamtrückgang steckt eine deutliche Spaltung. Heimanlagen unter 30 kWp legten nur noch 0,85 GWp zu, ein Minus von 21 Prozent gegenüber Q1 2025. Gewerbliche Dachanlagen zwischen 30 und 750 kWp fielen auf 0,60 GWp ab, das sind 33 Prozent weniger. Den Markt trägt aktuell allein die Freifläche oberhalb 1 MW. Sie wuchs auf 1,97 GWp und ein Plus von 20 Prozent. Balkonsolar liegt mit minus 6 Prozent fast auf Vorjahresniveau. Ende März 2026 zählt Deutschland 121 GWp installierte PV-Leistung auf knapp 5,9 Millionen Anlagen.

„Wer bei der Solarenergie jetzt auf die Bremse tritt, schadet dem Wirtschaftsstandort und drosselt den in der Bevölkerung beliebtesten Energiepreisdämpfer."

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer BSW-Solar, 2. Mai 2026

Die Zahlen treffen vor allem private Hausbesitzer und den gewerblichen Mittelstand. Großprojekte laufen weiter, Familien und KMU bleiben vorsichtig. Wer den Markt 2026 einschätzen will, schaut auf die Segmente getrennt. Preise, Hersteller und längere Trends liefert der Artikel zum Photovoltaik-Markt 2026.

Warum bricht der Markt bei Hausanlagen ein?#

Vier Faktoren bremsen den Heimmarkt. Der BSW-Solar nennt in seiner Pressemitteilung vom 2. Mai 2026 zwei strukturelle Bremsen: das seit Februar 2025 geltende Solarspitzengesetz und die geplanten Fördereinschnitte für Dachanlagen ab 2027. Beides erzeugt Planungsunsicherheit. Hausbesitzer schieben Investitionen auf, bis sich Vergütung und Direktvermarktung klären.

1. Solarspitzengesetz seit 25. Februar 2025. Anlagen ab diesem Datum verlieren ihre Einspeisevergütung in Stunden mit negativen Börsenpreisen. Die entgangenen Beträge holt der Gesetzgeber nach 20 Jahren nach. Der Cashflow verschiebt sich aber. Für Hausbesitzer ohne Speicher entsteht ein neues Kalkulationsrisiko.

2. EEG-Reform-Entwurf 2027. Union und SPD vereinbarten im April 2026 Eckpunkte einer EEG-Novelle. Die Direktvermarktungspflicht soll von heute 100 kWp auf 25 kWp sinken. Eine Fraunhofer-ISE-Studie vom 3. Februar 2026 beziffert die Zusatzkosten der Direktvermarktung auf 2 bis 3 ct/kWh. Für eine 10-kWp-Anlage summiert sich das schnell auf mehrere hundert Euro Erlösverlust pro Jahr. Die Details lesen Sie im Artikel EEG-Reform 2027: Lohnt sich eine neue PV-Anlage noch?.

3. China-MwSt-Wegfall am 1. April 2026. China hat die Exportrückerstattung für PV-Module abgeschafft. Branchenbeobachter erwarten mittelfristige Preisaufschläge auf Module von 10 bis 18 Prozent. Wer im März 2026 nicht bestellt hat, kalkuliert vorsichtiger. Die Hintergründe liefert der Artikel China-MwSt entfällt 2026.

4. Sättigung nach Rekordjahren. 2023 installierten Hausbesitzer im Heimsegment rund 8 GWp, 2025 nur noch knapp 5 GWp. Viele gut geeignete Hausdächer sind längst belegt. Der natürliche Markt schrumpft. Neue Nachfrage kommt vor allem aus Bestandsbauten und Sanierungen.

Warum boomt der Speicher? +67 Prozent erklärt#

Der Speicher-Boom wirkt paradox: weniger PV-Anlagen, dafür mehr Speicher. Tatsächlich läuft ein Strukturwandel. Die 67 Prozent Wachstum auf über 2 GWh Neuzubau Q1 2026 stammen nicht aus dem Heimsegment. Heimspeicher legten nur auf 0,74 GWh zu, in etwa Vorjahresniveau. Den Schub liefern Großspeicher. Ihr Zubau kletterte um 270 Prozent auf über 1 GWh. Erstmals stehen Großspeicher und Heimspeicher im Quartalszubau gleichauf.

Drei Treiber halten den Boom am Laufen:

1. Tolling-Markt nach EnWG-Novelle. Die EnWG-Novelle vom November 2025 erweitert die Netzentgeltbefreiung für Multi-Use-Speicher. Gewerbespeicher dürfen jetzt neben dem Eigenverbrauch am Energiehandel teilnehmen. So entstehen neue Geschäftsmodelle: Lastspitzenkappung, Eigenverbrauch und Stromhandel aus einer Anlage. Investoren entdecken Großspeicher als Renditeobjekt. Die Hintergründe lesen Sie im Artikel Batteriespeicher Q1 2026: 2,2 GWh Rekordzubau.

2. Schutz vor Solarspitzen-Vergütungsausfällen. Wer eine PV-Anlage plant, plant gleich einen Speicher mit. Der Speicher hebt den Eigenverbrauch von typisch 30 auf über 60 Prozent. Stromüberschüsse landen im Akku, statt zu negativen Börsenpreisen ungenutzt ins Netz zu fließen. Wie das Solarspitzengesetz konkret wirkt, steht im Beitrag Solarspitzengesetz 2026.

3. Preisverfall bei LFP-Zellen. Markt-Daten von Branchenbeobachtern nennen Heimspeicher-Preise von 270 bis 420 Euro pro kWh installierter Kapazität für 2026. Gegenüber 2025 sind das 15 bis 18 Prozent weniger. LFP-Zellen halten inzwischen über 95 Prozent Marktanteil bei stationären Heimspeichern. Sie gelten als sicherer und langlebiger als die älteren NMC-Chemien. Über 80 Prozent der neuen PV-Anlagen gehen mit Speicher in Betrieb.

Was bedeutet das für Hausbesitzer 2026?#

Der Markteinbruch heißt nicht, dass PV sich nicht mehr rechnet. Die Wirtschaftlichkeit hängt zu rund 80 Prozent am Eigenverbrauch, nicht an der Einspeisevergütung. Wer heute eine Anlage plant, sollte zwei Stichtage im Kalender notieren: den 31. Dezember 2026 als Schutzdatum für die fixe Einspeisevergütung und den 1. August 2026 als nächste reguläre Degression um 1 Prozent.

Rechenbeispiel 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher (Inbetriebnahme 2026):

  • Investition: 18.000 bis 22.000 Euro inklusive Speicher, Wechselrichter, Montage und Anmeldung
  • Jahresertrag: 9.000 bis 10.000 kWh, je nach Dachausrichtung und Standort
  • Eigenverbrauch mit Speicher: 60 bis 75 Prozent (ohne Speicher: 25 bis 35 Prozent)
  • Ersparnis durch Eigenverbrauch: bei 35 ct/kWh Haushaltsstrompreis und 6.500 selbst genutzten kWh rund 2.275 Euro pro Jahr
  • Einspeisevergütung Überschuss: 3.000 kWh zu 7,70 ct ergeben 231 Euro pro Jahr, 20 Jahre lang vertraglich gesichert
  • Amortisation: 10 bis 13 Jahre, danach 7 bis 10 Jahre Reinertrag bei 25 Jahren Lebensdauer

Die konkrete Berechnung für Ihr Dach erledigt der PV-Rechner in zwei Minuten. Er liefert Ertrag, Amortisation und Eigenverbrauchsquote für Ihre Adresse.

Strategie 2026: Wer jetzt noch kaufen sollte#

Drei Käufer-Profile profitieren 2026 besonders. Wer in eine dieser Gruppen passt, sollte die Zeit bis Jahresende nutzen.

Profil 1: Erstkäufer mit hohem Stromverbrauch. Wer 4.000 kWh oder mehr pro Jahr braucht, etwa wegen Wärmepumpe oder E-Auto, holt aus dem Eigenverbrauch sofort hohe Erlöse. Entscheidend ist die Kombination aus PV plus Speicher, idealerweise mit HEMS-Steuerung. Wartezeiten bei Installateuren liegen bei 3 bis 6 Monaten. Eine Bestellung im Mai sichert die Inbetriebnahme noch 2026.

Profil 2: Dach-Eigentümer mit drohender Förderkürzung. Wer eine Anlage zwischen 25 und 30 kWp plant, sollte bis 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen. Nach dem am 29. Juli 2026 beschlossenen Regierungsentwurf zur EEG-Novelle entfällt für Neuanlagen unter 25 kW ab 2027 die feste Vergütung, größere Anlagen gehen ohnehin in die Direktvermarktung. Mit Inbetriebnahme 2026 läuft die heutige fixe Vergütung 20 Jahre weiter, voller Bestandsschutz.

Profil 3: Bestandsanlagen-Besitzer mit Speicher-Wunsch. Wer eine ältere PV-Anlage betreibt, gewinnt durch Speicher-Nachrüstung 15 bis 30 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch. Die Wirtschaftlichkeit hängt am Bestands-EEG-Tarif. Anlagen mit Einspeisevergütung über 12 ct/kWh haben weniger Speicher-Motivation. Eine Entscheidungshilfe liefert der Ratgeber Batteriespeicher: Wann lohnt sich die Investition?.

Wer das Dach bereits voll belegt hat, prüft die Erweiterung bestehender PV-Anlagen. Neue Ost- oder Westflächen, Carport oder Garagendach steigern die Anlagenleistung um 30 bis 50 Prozent. Die Bestandsanlage muss dafür nicht neu zertifiziert werden.

Fachbegriffe wie EEG, Einspeisevergütung und Eigenverbrauch werden im zentralen Energie-Glossar ausführlich erklärt.