Die Halbjahresbilanz 2026 im Überblick#

Die Halbzeit des Jahres 2026 liefert ein bemerkenswert geteiltes Bild des deutschen Solarmarkts. Auf der einen Seite laufen die Batteriespeicher heiß: Ihr Zubau übertrifft den Vorjahreszeitraum deutlich. Auf der anderen Seite tritt der Photovoltaik-Zubau nahezu auf der Stelle, obwohl die Sonne so viel Strom liefert wie nie zuvor in einem ersten Halbjahr. Diese Schere zwischen wachsendem Speichergeschäft und stagnierendem Anlagen-Neubau ist die zentrale Botschaft der Halbjahresbilanz.

Die Zahlen stammen aus zwei unterschiedlichen Datenquellen, die man sauber auseinanderhalten muss. Das Fraunhofer ISE wertet auf Basis von energy-charts.info die tatsächliche Stromerzeugung und den Bestand an installierter Speicherkapazität aus. Die Auswertung des Marktstammdatenregisters misst dagegen, wie viele neue Anlagen und wie viel neue Leistung im Halbjahr überhaupt ans Netz gegangen sind. Beide Perspektiven ergänzen sich, dürfen aber nicht vermischt werden.

Kennzahl (Fraunhofer ISE, Erzeugung und Bestand)H1 2025H1 2026
PV-Nettostromerzeugungn. v.43,2 TWh (Rekord)
Windkraft offshore (Erzeugung)11,4 TWh14,6 TWh (Rekord)
Windkraft onshore (Erzeugung)48,7 TWh52,8 TWh
Installierte Batteriespeicher (Bestand)25,4 GWh29,6 GWh

n. v. = in der Quelle nicht als Vorjahreswert ausgewiesen. Die Photovoltaik-Erzeugung von 43,2 TWh ist laut Fraunhofer ISE ein neuer Halbjahres-Höchstwert.

Auffällig ist der Unterschied zwischen der installierten Speicherkapazität nach Fraunhofer ISE, die als Bestand von 25,4 auf 29,6 GWh gestiegen ist, und den Zubauzahlen aus dem Marktstammdatenregister. Der Bestandswert erfasst die gesamte Flotte am Netz, die Register-Auswertung nur die im Halbjahr neu hinzugekommenen Anlagen. Beide zeigen in dieselbe Richtung: Der Speicherausbau beschleunigt sich, während der reine PV-Zubau seine Dynamik verloren hat.

Batteriespeicher: Zubau plus 76 Prozent#

Der Batteriespeicher-Markt ist der klare Gewinner des ersten Halbjahres. Nach einer Auswertung des Marktstammdatenregisters wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 5.642 MWh an neuer Speicherkapazität installiert, gegenüber 3.206,4 MWh im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Plus von knapp 76 Prozent. Auch bei der neu installierten Leistung ging es deutlich nach oben, von 1.872,5 auf 2.482,7 MW.

Insgesamt kamen im ersten Halbjahr rund 286.060 neue Speicheranlagen hinzu. Der bundesweite Bestand liegt damit bei etwa 2,6 Millionen Batteriespeichern. Diese Register-Zahlen sind ein Stimmungsbild, kein amtliches Endergebnis: Sie werden hier über die Auswertung der Fachöffentlichkeit aus dem Register aggregiert und können sich durch Nachmeldungen noch leicht verschieben. Für die Größenordnung des Trends sind sie dennoch belastbar.

Speicher-Zubau (Auswertung Marktstammdatenregister)H1 2025H1 2026Veränderung
Neu installierte Leistung1.872,5 MW2.482,7 MW+ rund 33 Prozent
Neu installierte Kapazität3.206,4 MWhrund 5.642 MWh+ knapp 76 Prozent
Neue Speicheranlagenn. v.rund 286.060Bestand rund 2,6 Mio.

Der Zuwachs bei der Kapazität fällt deutlich stärker aus als bei der Leistung. Das ist ein Fingerzeig auf größere Speicher mit längerer Entladedauer, die typisch für den Netz- und Gewerbebereich sind. Warum der Boom fast vollständig aus diesem Segment kommt und der Heimspeicher-Markt kaum profitiert, ordnen wir im Abschnitt zu den Speicher-Segmenten ein. Eine detaillierte Aufschlüsselung des Zubaus nach Anlagengrößen bietet unsere MaStR-Analyse zu PV-Zubau, Anlagengrößen und Speicher.

Freiflächen-Solarpark in der Landschaft Symbolbild - AI generiert
Der Regierungsentwurf zur EEG-Novelle setzt bei Photovoltaik stärker auf Freiflächenanlagen als auf Dach-PV. Bild: AI generiert / EMA Energiewelt

Photovoltaik-Zubau tritt auf der Stelle#

So dynamisch sich die Speicher entwickeln, so verhalten bleibt der reine PV-Zubau. Nach der Register-Auswertung wurden im ersten Halbjahr 2026 netto rund 7.394 MW an neuer Photovoltaik-Leistung installiert. Das ist praktisch derselbe Wert wie im ersten Halbjahr 2025. Von dem Rekordtempo der Jahre 2023 und 2024 ist der Markt damit ein gutes Stück entfernt, insbesondere bei den kleinen Dachanlagen auf Eigenheimen.

Der Kontrast ist bezeichnend: Die vorhandenen Anlagen erzeugen mit 43,2 TWh mehr Solarstrom als je zuvor in einem Halbjahr, doch der Neubau kommt kaum noch vom Fleck. Für die Stagnation gibt es mehrere Gründe. Die Einspeisevergütung ist über die halbjährliche Degression weiter gesunken, die Modulpreise sind nach Jahren des Verfalls zuletzt nicht mehr gefallen, und viele Hausbesitzer warten die anstehende EEG-Reform ab, bevor sie investieren. Diese Kaufzurückhaltung hatten wir bereits für das erste Quartal beschrieben, als der Zubau bei Hausanlagen einbrach, während die Speicher zulegten: nachzulesen in der Analyse zum PV-Zubau Q1 2026 mit Markteinbruch bei Hausanlagen und Speicher-Boom.

Der Bundesverband Solarwirtschaft warnte am 24. Juli 2026, die geplante EEG-Novelle und das Netzpaket könnten den Solarausbau zusätzlich bremsen. Kritisiert werden vor allem die vorgesehene Abschaffung der festen Einspeisevergütung und eine mögliche Direktvermarktungspflicht auch für Kleinanlagen. Für einen Markt, der bei den Hausdach-Anlagen ohnehin schon stagniert, wäre das nach Einschätzung des Verbands ein weiteres Risiko.

Warum der Boom von den Großspeichern kommt#

Wer angesichts dieser Zahlen selbst über einen Speicher nachdenkt, sollte neben Kapazität und Preis auf die Systemeffizienz achten. Der Labortest der HTW Berlin zeigt zwischen bestem und schlechtestem Gerät 200 Euro Unterschied pro Jahr, Details im Beitrag zur Stromspeicher-Effizienz 2026.

Der Speicher-Boom wirkt auf den ersten Blick wie ein Erfolg für Eigenheime. Tatsächlich verbirgt sich hinter der Gesamtzahl eine deutliche Verschiebung. Der Bundesverband Solarwirtschaft meldete für das erste Quartal 2026 einen Zubau bei stationären Batteriespeichern von rund 67 Prozent über dem Vorjahr. Aufgeschlüsselt nach Segmenten zeigt sich aber, dass fast der gesamte Zuwachs aus dem Großspeicher-Bereich stammt.

Speicher-Segment (BSW-Solar, erstes Quartal 2026)Entwicklung gegenüber Vorjahr
Heimspeicher 5 bis 20 kWh (rund 0,74 GWh)etwa auf Vorjahresniveau
Großspeicherplus rund 270 Prozent
Stationäre Batteriespeicher gesamtrund 67 Prozent über Vorjahr

Das Heimspeichersegment von 5 bis 20 kWh, also die klassischen Speicher im Keller von Eigenheimen, kam im ersten Quartal auf rund 0,74 GWh und lag damit etwa auf Vorjahresniveau. Die großen, netzdienlichen Speicher legten dagegen um rund 270 Prozent zu und tragen den Boom praktisch allein. Der Grund liegt in der Wirtschaftlichkeit: Große Speicher verdienen an den schwankenden Preisen im Stromhandel, während sich Heimspeicher überwiegend über den erhöhten Eigenverbrauch rechnen und damit von denselben Kaufhemmnissen betroffen sind wie die PV-Anlagen selbst.

Für Hausbesitzer heißt das: Die Schlagzeile vom Speicher-Boom bildet die Lage im Eigenheim nur eingeschränkt ab. Ob sich ein Heimspeicher lohnt, entscheidet weiter der eigene Verbrauch, nicht der Marktdurchschnitt. Wer vor der Kaufentscheidung steht, findet die aktuelle Abwägung im Ratgeber Photovoltaik mit Speicher 2026: kaufen oder warten?.

Strommix H1 2026: Erneuerbare bei 61,8 Prozent#

Über den Zubauzahlen darf man die Erzeugungsseite nicht vergessen, denn hier reiht sich ein Rekord an den nächsten. Nach den Daten des Fraunhofer ISE deckten erneuerbare Energien im ersten Halbjahr 2026 rund 61,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung. Bezogen auf die Last, also den tatsächlichen Verbrauch, lag der Anteil bei 58,5 Prozent. Beide Werte sind neue Höchststände.

Getragen wird dieser Rekord von allen erneuerbaren Säulen zugleich. Die Photovoltaik erzeugte mit 43,2 TWh so viel Strom wie nie zuvor in einem Halbjahr. Windkraft auf See legte von 11,4 auf 14,6 TWh zu und erreichte damit ebenfalls einen Rekord, Windkraft an Land stieg von 48,7 auf 52,8 TWh. Die installierte Batteriespeicherkapazität als Flotte wuchs von 25,4 auf 29,6 GWh und stützt die Integration dieser schwankenden Erzeugung ins Netz.

Diese Rekorde erklären, warum der stagnierende Zubau nicht dramatisiert werden sollte: Die bereits installierte Basis ist groß genug, um Bestwerte in der Erzeugung zu liefern. Zugleich zeigt der zähe Neubau, dass der weitere Ausbau ins Stocken gerät, gerade in dem Moment, in dem die Förderlogik grundlegend umgebaut wird. Genau an dieser Nahtstelle wird die Halbjahresbilanz politisch interessant.

Warum die Bilanz vor dem EEG-Umbruch 2027 zählt#

Die Zahlen des ersten Halbjahres treffen auf einen Wendepunkt in der Förderpolitik. Seit dem 1. August 2026 gilt für Anlagen bis 10 kWp eine Einspeisevergütung von 7,70 ct pro kWh bei Überschusseinspeisung und 12,34 ct bei Volleinspeisung. Zum 1. August 2026 greift die reguläre halbjährliche Degression von 1 Prozent nach § 49 EEG. Die amtlichen August-Werte der Bundesnetzagentur lagen zum Redaktionsschluss noch nicht vor, rechnerisch ergeben sich rund 7,70 beziehungsweise 12,22 ct pro kWh. Diese Prognose sollten Sie vor einer Anmeldung gegen die dann veröffentlichten Zahlen prüfen. Die Details zum Stichtag erklärt unser Beitrag zur PV-Einspeisevergütung ab 1. August 2026.

Der größere Umbruch steht 2027 bevor. Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 den Regierungsentwurf zur EEG-Novelle 2027 samt Netzanschlusspaket beschlossen. Für Neuanlagen unter 25 kW soll die dauerhafte Förderung ab 2027 entfallen. Bestandsanlagen behalten ihre einmal zugesicherte Förderung über die volle Laufzeit. Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um einen Regierungsentwurf, nicht um geltendes Recht. Bundestag und Bundesrat sollen im September 2026 beraten, zusätzlich ist eine EU-Beihilfegenehmigung erforderlich. Was der Entwurf im Detail vorsieht, erklärt unser Ratgeber zur EEG-Reform 2027 mit Einspeisevergütung und Direktvermarktung.

Vor diesem Hintergrund ist die Halbjahresbilanz mehr als eine Momentaufnahme. Sie zeigt, dass der Markt bereits jetzt in Bewegung ist: Kapital fließt dorthin, wo sich Speicher an Marktpreisen verdienen lassen, während der klassische Ausbau geförderter Kleinanlagen stockt. Wenn die feste Vergütung 2027 fällt, dürfte sich diese Verschiebung fortsetzen. Für Hausbesitzer, die noch unter der planbaren festen Vergütung starten wollen, ist 2026 damit ein Jahr mit klarem Zeitfenster.

Einschätzung

Fachbegriffe wie Einspeisevergütung, Degression und Direktvermarktung werden im zentralen Energie-Glossar ausführlich erklärt. Im Fließtext oben erscheinen kurze Hover-Tooltips über das Glossar-System.