Was Lastverschiebung bedeutet, und warum sie so wirksam ist#

Stellen Sie sich einen typischen Samstag vor: Morgens um acht starten Sie die Waschmaschine, danach die Spülmaschine, der Trockner läuft mittags. Klingt vernünftig. Ist es aber nicht, zumindest nicht für Ihren Eigenverbrauch. Um acht Uhr morgens produziert Ihre PV-Anlage noch kaum Strom. Sie beziehen Netzstrom für 32 Cent die Kilowattstunde.

Hätten Sie um 11 Uhr gestartet: Ihre Anlage leistet 4 bis 7 kW, mehr als genug für Waschmaschine und Spülmaschine gleichzeitig. Kein Netzstrom, kein Cent Extrakosten. Das ist Lastverschiebung: Energiehungrige Geräte dann laufen lassen, wenn die Sonne scheint.

„Sie brauchen keine teuren Geräte, keine App, kein Smart Home. Nur einen neuen Gewohnheit: Wäsche um 11, nicht um 7."

Zeitplanung

Wann produziert Ihre Anlage am meisten? Das saisonale Muster#

Eine Südanlage in Bayern produziert ihre Tagesleistung nicht gleichmäßig über den Tag. Das Profil ist eine Glocke: morgens wenig, mittags viel, abends nichts. Der Hochpunkt liegt in Deutschland zwischen 11 und 14 Uhr, im Sommer leicht früher, im Winter etwas breiter.

Im Winter flacht die Kurve ab: Eine 10-kWp-Anlage leistet im Dezember mittags vielleicht 2 bis 3 kW. Im Juli kann dieselbe Anlage 8 bis 9 kW erzeugen. Das bedeutet: Lastverschiebung lohnt sich im Sommer deutlich mehr als im Winter, aber auch im Winter gibt es täglich ein Fenster von zwei bis drei Stunden, das genutzt werden sollte.

Welche Geräte wann, die Rangliste nach Verschiebungspotenzial#

GerätVerbrauch je LaufOptimale ZeitVerschiebungspotenzial
Waschmaschine60°C-Programm1,0 bis 1,5 kWh11 bis 13 UhrSehr hoch, Timer nutzen
Spülmaschine50°C-Programm0,8 bis 1,2 kWh11 bis 14 UhrSehr hoch, Timer nutzen
WäschetrocknerKondensationstrockner2,0 bis 3,5 kWh12 bis 15 UhrHoch, größter Einzelverbraucher
WarmwasserbereiterElektrisch / WP2 bis 5 kWh/Tag10 bis 15 UhrHoch, automatisch steuerbar
E-Auto50 kWh Akku, 50 % laden10 bis 25 kWh10 bis 16 UhrSehr hoch, größtes Potenzial
Kühlschrank / GefriererkontinuierlichKeine Verschiebung möglich
Standby-Geräte0,1 bis 0,3 kWh/TagGering

Automatisierung: Wann lohnt sich Smart Home?#

Wer keine Lust hat, täglich auf den Wechselrichter zu schauen und Geräte manuell zu starten, kann das automatisieren. Stufe 1: Smarte Steckdosen (Tasmota, Shelly) mit Zeitschaltuhr, günstig, einfach, keine Cloud nötig. Kosten: 15 bis 30 Euro pro Gerät.

Stufe 2: Wechselrichter-Schnittstelle nutzen. Viele Wechselrichter (SMA, Fronius, Huawei) bieten Modbus- oder API-Zugang. Damit lässt sich über Home Assistant oder ein HEMS automatisch schalten, wenn die Anlage einen bestimmten Überschuss produziert. Das ist die elegantere Lösung, Geräte starten genau dann, wenn Solarstrom verfügbar ist, nicht nach festem Zeitplan.

Stufe 3: Vollständiges HEMS (Home Energy Management System). Systeme wie SMA Energy Manager, Loxone oder Solarwatt Manager übernehmen die vollständige Priorisierung: erst Direktverbrauch, dann Speicher laden, dann steuerbare Lasten zuschalten. Das ist optimal, aber auch das teuerste Einstiegsniveau (ab ca. 800 Euro).

Wärmepumpe und Warmwasser: Der größte stille Hebel#

Eine Wärmepumpe verbraucht in einem gut gedämmten Haus täglich 5 bis 15 kWh, je nach Außentemperatur. Wenn Sie die Heizzeiten so verschieben, dass der Hauptantrieb tagsüber läuft (statt nachts), erhöht sich der Eigenverbrauch erheblich. Die meisten modernen Wärmepumpen haben eine SG-Ready-Schnittstelle (Smart Grid Ready), die genau das ermöglicht: Mit einem einfachen Signal sagt Ihre PV-Anlage der Wärmepumpe „mehr Strom verfügbar, jetzt heizen".

Warmwasserspeicher sind noch einfacher: Elektrische Boiler lassen sich via Timer auf 10 bis 14 Uhr programmieren. Das Wasser bleibt bis abends warm, und der gesamte Energiebedarf wurde mit Solarstrom gedeckt. Das spart täglich 1 bis 2 kWh Netzstrombezug, übers Jahr sind das 365 bis 730 kWh, also gut 100 bis 200 Euro.

E-Auto: Der größte Hebel für Ihren Eigenverbrauch#

Wer ein E-Auto hat und es nachts lädt, verschenkt potenziell den größten Eigenverbrauchshebel. Ein E-Auto mit 50-kWh-Akku, das täglich 15 kWh lädt, ist der mit Abstand größte Einzelverbraucher im Haushalt. Laden Sie es tagsüber, über eine steuerbare Wallbox oder einen Timer, können Sie diesen Bedarf komplett aus der Solaranlage decken. Kein Netzstrom, kein Cent Ladekosten.

Eine steuerbare Wallbox (z.B. go-eCharger, Easee, Keba) lässt sich so konfigurieren, dass sie nur bei PV-Überschuss lädt. Bei einer 10-kWp-Anlage und einem E-Auto mit 150 bis 200 km täglicher Fahrstrecke können Sie von April bis September fast vollständig solar laden.

Was bringt Lastverschiebung wirklich, die ehrliche Rechnung#

Nehmen wir an: 10-kWp-Anlage, 9.500 kWh Jahresertrag, Eigenverbrauchsquote bisher 32 % (also 3.040 kWh Eigenverbrauch). Durch konsequente Lastverschiebung aller verschiebbaren Verbraucher (Wäsche, WP, E-Auto) steigt die Quote auf 48 %, das entspricht 4.560 kWh Eigenverbrauch.

Die Differenz: 1.520 kWh × 32 ct Eigenverbrauchswert = 486 Euro mehr Ersparnis pro Jahr. Dazu kommen weniger Einspeisemengen bei niedrigem EEG-Tarif. Das ist eine signifikante Verbesserung, ohne neue Hardware, nur durch veränderte Gewohnheiten und einen einfachen Timer.

Wie hoch ist Ihr aktueller Eigenverbrauch, und welches Potenzial steckt drin? Unser Rechner zeigt es.

Häufige Fragen: Lastverschiebung

Wann produziert PV am meisten?

11-14 Uhr. Im Sommer 8-9 kW bei 10 kWp, im Winter 2-3 kW. Optimales Fenster: 10-15 Uhr ganzjährig.

Wie viel spart Lastverschiebung?

Von 32 auf 45-50 % Eigenverbrauch: ca. 400-500 €/Jahr mehr Ersparnis bei 32 ct/kWh.

Brauche ich ein HEMS?

Nein, geht auch manuell per Timer. HEMS (ab 800 €) automatisiert und optimiert dynamisch.

Kann ich die WP auf Solarstrom umstellen?

Ja, über SG-Ready-Schnittstelle. WP heizt verstärkt tagesüber wenn PV-Überschuss da ist.