Die Preisschere 2026: Module rauf, Speicher runter#

2026 passiert bei den Preisen etwas, das es seit Jahren nicht gab: Die beiden wichtigsten Bauteile einer Solaranlage bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen. Solarmodule werden erstmals seit langem wieder teurer, während Heimspeicher weiter im Preis fallen. Für die Kaufentscheidung ist genau diese Schere entscheidend, denn sie verschiebt das Gewicht innerhalb der Anlage.

Auf der einen Seite zeigt der Modulpreis-Index von pvXchange im Mai 2026 einen Anstieg von rund 30 Prozent gegenüber Januar. Auslöser sind der Wegfall der chinesischen Exportsteuer-Erstattung zum 1. April und ein Silberpreis, der um etwa 150 Prozent zulegte. Die Hintergründe erklärt der Ratgeber warum PV-Module 2026 teurer werden im Detail.

Auf der anderen Seite sind Heimspeicher 2026 so günstig wie nie. Installierte Systeme liegen laut Marktbeobachtung bei rund 315 Euro je Kilowattstunde nutzbarer Kapazität, etwa 15 bis 18 Prozent unter dem Vorjahr. Die vollständige Marktentwicklung steht im Artikel zum Batteriespeicher-Rekord Q1 2026. Interessant ist, dass diese Entwicklung sogar den eigenen Prognosen widerspricht: Anfang 2026 war wegen der chinesischen Steueränderung mit steigenden Speicherpreisen gerechnet worden. Gekommen ist das Gegenteil, weil Überkapazitäten bei den LFP-Zellen den Effekt mehr als ausglichen.

Was der Modulpreis-Anstieg wirklich bedeutet#

Ein Plus von 30 Prozent klingt nach einem Grund, das PV-Projekt zu verschieben. Bei genauem Hinsehen ist es das nicht. Denn Module machen nur einen Teil der Gesamtkosten aus. Der Rest entfällt auf Wechselrichter, Montagesystem, Verkabelung, Gerüst und vor allem die Installationsarbeit.

Kostenblock einer 10-kWp-AnlageAnteil an den GesamtkostenEffekt des Modulpreis-Anstiegs
Solarmodule30 bis 40 %voll betroffen (rund +30 %)
Wechselrichter10 bis 15 %kaum betroffen
Montage, Gerüst, Verkabelung15 bis 20 %nicht betroffen
Installation und Planung25 bis 35 %nicht betroffen

Weil Module nur ein Drittel bis 40 Prozent der Rechnung stellen, schlägt ihr Anstieg von 30 Prozent nur als rund 6 bis 8 Prozent Mehrkosten bei der Gesamtanlage durch. Für eine schlüsselfertige 10-kWp-Anlage sind das etwa 400 bis 700 Euro. Der Bundesverband des Solarhandwerks rechnet für 2026 mit einer Gesamtverteuerung von grob 10 Prozent auf Systemebene, Wechselrichter und Installationsmaterial eingerechnet.

Wichtig für die Zeitplanung: Die Branche erwartet für das zweite Halbjahr 2026 ein Preisplateau, also keinen weiteren Preissprung, aber auch keine Rückkehr auf die Tiefstpreise von Ende 2025. Das Fraunhofer ISE beziffert schlüsselfertige Aufdachanlagen weiterhin auf etwa 1.000 bis 1.500 Euro je Kilowattpeak, historisch ein sehr niedriges Niveau. Wer auf deutlich billigere Module wartet, wartet also vermutlich vergeblich.

Warum der Speicher jetzt der Hebel ist#

Während die Modulseite nur leicht teurer wird, verbessert sich die Speicherseite spürbar. Das ist mehr als eine Randnotiz, denn mit sinkender Einspeisevergütung verschiebt sich die gesamte Wirtschaftlichkeit einer Anlage weg vom Einspeisen und hin zum Selbstverbrauchen.

Die Rechnung dahinter ist einfach. Der Haushaltsstrompreis liegt 2026 bei rund 37 bis 42 Cent je Kilowattstunde, die Einspeisevergütung nur noch bei 7,78 Cent. Jede Kilowattstunde, die nicht eingespeist, sondern selbst verbraucht wird, ist also rund 30 Cent wert statt knapp 8 Cent. Genau diese Lücke macht der Speicher nutzbar: Ohne Speicher verbraucht ein typisches Eigenheim nur 25 bis 30 Prozent seines Solarstroms selbst. Mit einem passend dimensionierten Speicher steigt der Eigenverbrauch auf 60 bis 80 Prozent, der Autarkiegrad auf bis zu 70 Prozent.

Dass mehr als 80 Prozent aller neuen Dachanlagen 2026 direkt mit einem Speicher geplant werden, ist deshalb kein Zufall. Bei den Zellen hat sich Lithium-Eisenphosphat (LFP) als Standard durchgesetzt, robust, langlebig und ohne kritische Rohstoffe wie Kobalt. Die technischen Unterschiede vertieft der Vergleich LFP gegen NMC. Ein Detail sollte nicht untergehen: Der Systemwirkungsgrad entscheidet mit, wie viel vom günstigen Speicher am Ende ankommt. Schwache Geräte verlieren über Standby und Umwandlung einen Teil der Ersparnis wieder.

Der Vergütungs-Fahrplan: 1. August 2026 und 2027#

Der dritte Faktor neben Modul- und Speicherpreis ist der Zeitplan der Einspeisevergütung. Und der schrumpft. Zwei Termine sind für die Kaufentscheidung wichtig.

Zum 1. August 2026 greift die reguläre halbjährliche Degression von rund einem Prozent. Für neue Anlagen bis 10 kWp mit Teileinspeisung ist der Satz von 7,78 auf 7,70 Cent je Kilowattstunde, bei Volleinspeisung von 12,34 auf rund 12,22 Cent. Der genaue Wert wird kurz vor dem Stichtag von der Bundesnetzagentur veröffentlicht. Für Ihre Anlage zählt das Inbetriebnahmedatum: Wer den höheren Satz sichern will, muss vorher ans Netz. Die Details zum Stichtag stehen im Artikel Einspeisevergütung sinkt zum 1. August 2026.

Zum 1. Januar 2027 könnte sich mehr ändern als nur der Cent-Betrag. Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 den Regierungsentwurf beschlossen, der die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen unter 25 kW abschafft und durch eine befristete Übergangszahlung und danach die Direktvermarktung zu ersetzen. Beschlossen ist das noch nicht, ein Kabinettsbeschluss steht aus, und der Entwurf kann sich ändern. Was er für Neuanlagen bedeuten würde, ordnet der Ratgeber zur EEG-Reform 2027 ein.

„Wer seine Anlage 2026 in Betrieb nimmt, erhält die zu diesem Zeitpunkt geltende Einspeisevergütung für 20 Jahre. Diese Zusage bleibt von späteren Gesetzesänderungen unberührt."

Sinngemäß nach der EEG-Systematik der Bundesnetzagentur, Stand Juli 2026

Aus beiden Terminen folgt die zentrale Botschaft für 2026: Es ist das voraussichtlich letzte Jahr, in dem eine neue Kleinanlage die klassische, garantierte Festvergütung über volle 20 Jahre erhält. Wer ohnehin plant, hat damit ein handfestes Argument, nicht zu warten.

Kaufen oder warten? Die Entscheidung nach Situation#

Die Preisschere und der Vergütungs-Fahrplan führen nicht für jeden zur selben Antwort. Die folgende Übersicht ordnet die typischen Ausgangslagen ein.

Ihre SituationEmpfehlungWarum
Neubau oder Sanierung 2026 geplantJetzt umsetzen20 Jahre Festvergütung sichern, Speicher aktuell günstig, Modulaufschlag gering
Bestandsdach, Anlage konkret geplant2026 in Betrieb nehmenVor dem 1. August höherer Satz, vor 2027 noch garantierte Festvergütung
Nur Speicher-Nachrüstung zur bestehenden PVKann warten, muss aber nichtSpeicherpreise sinken langsam weiter, der höhere Eigenverbrauch spart aber ab Tag eins
Warten auf billigere ModuleNicht empfehlenswertBranche erwartet Preisplateau, keine Rückkehr zu den Tiefstpreisen von Ende 2025

Für die große Mehrheit der Eigenheimbesitzer, die 2026 ohnehin über eine Anlage nachdenken, überwiegen die Argumente fürs Handeln. Die Modulverteuerung ist real, aber klein, die Speicher sind günstig, und der Vergütungsrahmen wird nach 2026 unsicherer. Wer die eigene Anlage konkret durchrechnen will, nutzt am besten den PV-Rechner und für die Batterie den Speicher-Rechner.

Rechenbeispiel: 10 kWp plus 8 kWh Speicher#

Ein Rechenbeispiel macht die Größenordnung greifbar. Als Beispiel dient ein Einfamilienhaus mit 4.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch, einer 10-kWp-Anlage und einem 8-kWh-Speicher, Stand Juli 2026. Die Zahlen sind eine grobe Orientierung, keine verbindliche Kalkulation.

PositionWert 2026
10-kWp-Anlage schlüsselfertig (inkl. Modulaufschlag)rund 12.000 bis 13.000 €
8-kWh-Heimspeicher installiertrund 3.000 bis 4.500 €
Gesamtinvestition (0 % Mehrwertsteuer bis 30 kWp)rund 15.000 bis 17.500 €
Jahresertragrund 9.500 kWh
Eigenverbrauch mit Speicherrund 65 %
Jährlicher finanzieller Nutzen (Ersparnis plus Einspeisung)rund 1.400 bis 1.700 €
Amortisationrund 10 bis 13 Jahre

Bei einer Lebensdauer der Module von 25 bis 30 Jahren und einer Speichergarantie von meist 10 Jahren bleibt nach der Amortisation ein deutlicher Überschuss. Der Nullsteuersatz auf PV und Speicher bis 30 kWp senkt den Kaufpreis direkt, dazu kommt bei Bedarf der zinsgünstige KfW-270-Kredit. Eine ausführliche Kostenaufstellung mit weiteren Varianten steht im Ratgeber Photovoltaik: Kosten, Förderung, Amortisation.

Fachbegriffe wie kWp, Eigenverbrauch, Autarkiegrad, Einspeisevergütung, Degression und Direktvermarktung werden im zentralen Energie-Glossar erklärt.

Wann sich Warten doch lohnt#

Ganz ohne Gegenargumente ist die Sache nicht. In einigen Fällen kann Abwarten sinnvoll sein, und dazu sollte ein ehrlicher Ratgeber auch stehen.

  • Reine Speicher-Nachrüstung ohne Zeitdruck: Wer bereits eine PV-Anlage hat und nur den Speicher ergänzen will, verliert keine Einspeisevergütung. Da die Speicherpreise 2027 laut Prognosen um weitere rund 20 Prozent fallen könnten, ist ein späterer Kauf hier vertretbar. Der entgangene Eigenverbrauch in der Zwischenzeit spricht aber weiterhin fürs Handeln.
  • Ausgeförderte Altanlagen: Bei Anlagen, deren 20-jährige EEG-Vergütung ausläuft, gelten andere Regeln. Hier lohnt eine gesonderte Betrachtung von Weiterbetrieb, Eigenverbrauch und Nachrüstung.
  • Unklare Dachsituation: Steht ohnehin eine Dachsanierung an, sollte die PV-Anlage darauf abgestimmt werden. Erst das Dach, dann die Module ist meist die günstigere Reihenfolge.

Für alle anderen gilt: Die Kombination aus moderatem Modulaufschlag, günstigen Speichern und einem 2026 noch vollen Vergütungsanspruch macht das laufende Jahr zu einem guten Zeitpunkt. Der oft gehörte Reflex, auf bessere Preise zu warten, trägt bei Modulen nicht und wird beim Vergütungsrahmen sogar teurer.