Beim Thema Notstrom gibt es viel Erwartungsmanagement zu leisten. Viele Käufer gehen davon aus, dass ihre PV-Anlage bei Stromausfall einfach weiterläuft. Das tut sie nicht, zumindest nicht ohne spezielle Technik. Eine Standard-PV-Anlage schaltet bei Netzausfall zum Schutz von Netzmitarbeitern automatisch ab (VDE-4105).

Wer tatsächlich Strom bei Stromausfall will, braucht ein Backup-fähiges System. Was das kostet, was es kann und wo die Grenzen liegen, das zeigt dieser Artikel.

Backup-Strom vs. echter Inselbetrieb

Zwei Konzepte, die oft verwechselt werden:

Backup-Betrieb (Notstrom-Funktion): Das System schaltet bei Netzausfall automatisch in einen abgetrennten Inselmodus. Es versorgt ausgewählte Verbraucher aus Speicher (und PV, wenn Sonne scheint). Sobald das Netz zurückkommt, schaltet es zurück. Die meisten modernen PV-Speicher-Systeme können das.

Echter Inselbetrieb: Das System ist nie ans Netz angeschlossen, vollständig autark. Das ist aufwendiger, teurer und braucht größere Speicher. Relevant für Wochenendhäuser, abgelegene Standorte oder Menschen mit sehr spezifischen Anforderungen.


Technische Voraussetzungen

Damit Notstrom funktioniert, muss der Wechselrichter inselfähig sein. Das bedeutet: Er kann ohne Netzspannung eine stabile 230V-Wechselspannung erzeugen. Nicht alle Wechselrichter können das, günstiger Einstiegsklasse-WR oft nicht.

Zusätzlich braucht man:

  • Einen Batteriespeicher (ohne Speicher kein Notstrom in der Nacht)
  • Eine automatische Trenneinrichtung (Backupbox oder integriert)
  • Optional: Separate Notstromkreise für kritische Verbraucher (Kühlschrank, Heizung, Kommunikation)

Die Umschaltzeit liegt bei guten Systemen unter 20 Millisekunden, schnell genug für die meisten Geräte. Bei sehr empfindlicher Elektronik (Medizingeräte, CNC-Maschinen) ist das noch zu lang; dort braucht es USV-Systeme.

Die beste Notstromlösung ist die, die man nie merkt, automatische Umschaltung, keine Handgriffe, und morgens ist der Kühlschrank noch kalt.

Systeme mit Notstromfunktion

System Backup-Typ Umschaltzeit Aufpreis ca.
Tesla Powerwall 3Ganzes Haus oder Teilkreis< 20 msenthalten
SMA Sunny Home Manager + SBSTeilkreis oder ganzes Haus< 20 ms800 bis 1.500 €
Fronius GEN24 + BYDPV-Punkt (Gleichstrom-Backup)sofort300 bis 600 €
Huawei SUN2000 + LUNA2000Volles Backup möglich< 20 ms500 bis 1.000 €
SENEC Home V4Backup integriert< 20 msenthalten

Sonderfall: Fronius GEN24 PV-Punkt

Der Fronius GEN24 hat eine spezielle Notstromfunktion: Den PV-Punkt. Das ist eine separate Steckdose, die auch ohne Batteriespeicher direkt mit PV-Strom versorgt wird, aber nur tagsüber und nur wenn die Sonne scheint. Keine Automatik, kein Ganzhausbackup, aber kostengünstig für basische Versorgung.

Portable Alternative: BLUETTI als Backup-Station

Wer kein ganzes Haus absichern muss, sondern nur Router, Kühlschrank und Homeoffice, kommt mit einer portablen BLUETTI-Powerstation deutlich günstiger weg: Elite 400 (3,84 kWh, 2.600 W) schaltet in 15 ms auf Batteriebetrieb um, EP500 Pro mit 5,1 kWh und Rädern ist transportabel. Keine Festinstallation, keine VDE-Zertifizierung, an die Steckdose anschließen – fertig. Kein Ersatz für ein echtes Hausbackup, aber ein pragmatischer Mittelweg.


Was nicht funktioniert im Notstrombetrieb

Hier erzeugen Marketing-Versprechen oft falsche Erwartungen:

  • Wärmepumpe: Die meisten WP ziehen beim Anlaufen 3 bis 6 kW Anlaufstrom. Nicht alle Backup-Systeme können das liefern. Wer die WP im Notstrombetrieb nutzen will, braucht ein System mit hoher Spitzenleistung (>3 kW Dauerleistung, >5 kW Spitze).
  • E-Auto laden: Im Notstrombetrieb ist Wallbox-Laden fast nie sinnvoll, der Speicher leert sich zu schnell.
  • Herd und Backofenfunktion: Glaskeramikkochfelder ziehen 3 bis 7 kW. Im Notstrom besser Campingkocher.
  • Waschmaschine/Trockner: Stromhungrig; mit Kühlschrank + Licht + Internet kombinieren, nicht alles gleichzeitig.

Echter Inselbetrieb: Wann sinnvoll?

Echter Inselbetrieb, also komplett ohne Netzanschluss, ist eine andere Klasse. Netzanschluss ist in Deutschland Pflicht für Neubauten, also kommt echter Inselbetrieb nur für bestehende Gebäude ohne Anschluss, Wochenendhäuser oder Sonderimmobilien infrage.

Planung für echten Inselbetrieb: Speicher muss mindestens 3 bis 5 Tage Versorgung sichern (bei 30 kWh Jahresverbrauch und konservativem Lastmanagement braucht man 50 bis 80 kWh Speicher für 5 Tage). Das sind Kosten von 40.000 bis 70.000 Euro allein für den Speicher. Dazu Dieselgenerator als Backup für Langdunkelperioden empfohlen.

Für normale Eigenheime: Backup-Funktion statt Inselbetrieb. Der Netzanschluss bleibt, das System hilft nur bei Ausfall.

Häufige Fragen

Funktioniert meine PV-Anlage bei einem Stromausfall einfach weiter?

Nein, eine Standard-PV-Anlage schaltet bei Netzausfall automatisch ab, das schreibt die Norm VDE-4105 zum Schutz von Netzmitarbeitern vor. Wer Strom bei Stromausfall will, braucht ein Backup-fähiges System aus inselfähigem Wechselrichter, Batteriespeicher und automatischer Trenneinrichtung. Ohne Speicher gibt es zudem keinen Notstrom in der Nacht.

Was kostet es, eine PV-Anlage mit Speicher notstromfähig zu machen?

Die Nachrüstung auf Notstromfähigkeit kostet 1.500 bis 3.000 Euro. Der reine Aufpreis für die Backup-Funktion liegt je nach System bei 300 bis 1.500 Euro, bei Tesla Powerwall 3 und SENEC Home V4 ist sie bereits im Speicher-System enthalten. Beim Fronius GEN24 mit BYD-Speicher kostet der PV-Punkt etwa 300 bis 600 Euro.

Wie schnell schaltet ein Notstromsystem bei Stromausfall um?

Gute Systeme schalten in unter 20 Millisekunden auf Batteriebetrieb um, das ist für die meisten Haushaltsgeräte schnell genug. Für sehr empfindliche Elektronik wie Medizingeräte oder CNC-Maschinen ist das noch zu lang, dort braucht es USV-Systeme. Die portable BLUETTI Elite 400 schaltet in 15 ms auf Batteriebetrieb um.

Kann ich meine Wärmepumpe im Notstrombetrieb weiterlaufen lassen?

Nur wenn das Backup-System genug Leistung liefert: mehr als 3 kW Dauerleistung und mehr als 5 kW Spitzenleistung. Die meisten Wärmepumpen ziehen beim Anlaufen 3 bis 6 kW Anlaufstrom, das können nicht alle Backup-Systeme liefern. Auch Glaskeramikkochfelder mit 3 bis 7 kW sind im Notstrombetrieb kritisch, hier ist ein Campingkocher die bessere Wahl.

Lohnt sich echter Inselbetrieb ohne Netzanschluss für ein normales Eigenheim?

Nein, für normale Eigenheime ist echter Inselbetrieb nicht sinnvoll, die Backup-Funktion mit bestehendem Netzanschluss ist die bessere Lösung. Für 5 Tage autarke Versorgung braucht man 50 bis 80 kWh Speicher, das bedeutet Kosten von 40.000 bis 70.000 Euro allein für den Speicher. Zudem ist der Netzanschluss in Deutschland für Neubauten Pflicht, Inselbetrieb kommt nur für Wochenendhäuser oder Gebäude ohne Anschluss infrage.

Wie lange reicht ein 10-kWh-Speicher bei einem Stromausfall?

Mit einem 10-kWh-Speicher sind 1 bis 3 Tage Autonomie möglich, wenn nur kritische Verbraucher wie Kühlschrank, Licht und Internet laufen. Stromhungrige Geräte wie Waschmaschine oder Trockner sollte man nicht gleichzeitig betreiben. Scheint tagsüber die Sonne, versorgt die PV-Anlage die Verbraucher im Inselmodus zusätzlich mit.

Quellen & weiterführende Informationen

  • VDE, VDE-AR-N 4105, Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz, 2018
  • SMA, Sunny Backup-System, Technische Beschreibung, 2024
  • Tesla, Powerwall 3 Produktspezifikationen, Backup-Modus, 2025
  • Fronius, GEN24 PV-Punkt, Funktionsbeschreibung, 2024
  • Bundesnetzagentur, Einspeisung und Netzanschluss, Regelungen für PV, 2025