Auf der Stromrechnung stehen viele Positionen. Die meisten schauen nur auf den Arbeitspreis, und ärgern sich. Aber wer versteht, warum Strom so teuer ist, versteht auch, warum er in den nächsten Jahren nicht viel günstiger wird. Und wer bestimmte Geräte betreibt, kann sogar Rabatt bekommen.

Netzentgelte sind der zweitgrößte Block nach Abgaben und Steuern. Und sie steigen weiter. Warum, und was sich durch neue Regelungen ändert.

Was sind Netzentgelte?

Netzentgelte sind die Kosten für den Transport von Strom durch das Netz, von der Erzeugungsanlage bis zur Steckdose. Sie finanzieren:

  • Betrieb und Wartung von Leitungen, Umspannwerken und Transformatoren
  • Netzausbau für die Energiewende (mehr Windstrom aus dem Norden transportieren)
  • Verlustenergie im Netz
  • Konzessionsabgaben an Kommunen

Sie werden von der Bundesnetzagentur reguliert und von jedem Netzbetreiber separat festgelegt. Es gibt in Deutschland über 800 Netzbetreiber, entsprechend unterschiedlich sind die Preise.


Zusammensetzung des Strompreises

Position Anteil am Strompreis ca. Veränderbar?
Netzentgelte30 bis 35%Nein (reguliert)
EEG-Umlage0% seit 2022Abgeschafft
Steuern (Stromsteuer, MwSt.)20 bis 25%Nein
Konzessionsabgabe5 bis 7%Nein
Energiebeschaffung + Marge25 bis 35%Ja (Anbieterwechsel)

Sprich: Nur rund 25 bis 35% des Strompreises sind durch Anbieterwechsel beeinflussbar. Der Rest ist politisch oder regulatorisch bestimmt. Das erklärt, warum Preisvergleiche nur begrenzt helfen und warum Eigenverbrauch so attraktiv ist, er umgeht alle diese Komponenten.


Warum steigen Netzentgelte?

Drei Hauptgründe für den Anstieg 2024 bis 2026:

Netzausbau für Erneuerbare: Windstrom kommt aus Norddeutschland, Verbrauch ist im Süden. Der Netzausbau (Ultranet, SuedLink, SuedOstLink) kostet dutzende Milliarden Euro, die über Netzentgelte finanziert werden. Der Ausbau ist jetzt in der Umsetzungsphase, die Kosten werden sofort wirksam.

Steigende Systemkosten: Mehr Erneuerbare bedeuten mehr Regelenergiebedarf und mehr Redispatch-Kosten (wenn Kraftwerke hoch- oder runtergeregelt werden müssen, weil das Netz überlastet ist). Diese Kosten stehen auf der Netzentgelt-Rechnung.

Sinkende Netzauslastung: PV-Haushalte kaufen weniger Netzstrom. Die Fixkosten des Netzes (Kabel, Umspannwerke) bleiben gleich, verteilt auf weniger verkaufte kWh steigt der Preis pro kWh. Das ist das Netzentgelt-Dilemma der Energiewende.

Wer mit PV weniger Netz nutzt, zahlt weniger Netzentgelt, aber die verbleibenden Netzkunden zahlen mehr. Das ist strukturell ungelöst und wird politisch diskutiert.

Regionale Unterschiede

Die Unterschiede zwischen Netzbetreibern sind erheblich. In ländlichen Regionen mit viel Windeinspeisung und veralteten Netzen können Netzentgelte 2 bis 3× höher sein als in städtischen Gebieten mit effizienter Infrastruktur.

Beispiel 2024: Mecklenburg-Vorpommern hat Netzentgelte von 12 bis 15 Ct/kWh (inklusive Umlagen), während München bei 6 bis 8 Ct/kWh liegt. Das ist kein Fehler, es spiegelt tatsächliche Infrastrukturkosten wider.

Das BMWK plant eine Netzentgelt-Reform, die die Kosten bundesweit stärker angleicht. Erste Schritte (Übertragungsnetzentgelt-Regionalisierung) laufen, aber eine vollständige Angleichung ist politisch umstritten und kommt frühestens Mitte der 2020er Jahre.

Auf Ebene der Verteilnetzentgelte wird die Reform 2026 konkret: Mit dem Verfahren AgNes (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) hat die Bundesnetzagentur nach dem Zwischenstand vom Mai am 6. August 2026 den finalen Festlegungsentwurf zur Konsultation gestellt (Stellungnahmen bis 18. September 2026), der unter anderem einen höheren Grundpreis für Haushalte mit eigener PV-Anlage vorsieht. Die Rahmenfestlegung soll Ende 2026 kommen, gelten soll die neue Systematik ab 2029. Was die Pläne für Solaranlagen-Betreiber bedeuten, steht im Ratgeber zu den Netzentgelten für PV-Besitzer.


Paragraph 14a EnWG: Rabatt für steuerbare Verbraucher

Seit Januar 2024 gilt der neue Paragraph 14a EnWG. Er bietet Haushalten mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen, also Wärmepumpen, Wallboxen, Batteriespeichern und Klimaanlagen, einen reduzierten Netzentgeltsatz, wenn sie dem Netzbetreiber erlauben, in Stresssituationen kurzzeitig einzugreifen.

Was das bedeutet: Der Netzbetreiber darf die Leistung der Wärmepumpe oder Wallbox für maximal 2 Stunden am Tag auf 4,2 kW begrenzen. Dafür gibt es einen Netzentgelt-Rabatt von durchschnittlich 110 bis 190 Euro pro Jahr (je nach Netzbetreiber).

Die Einschränkung ist in der Praxis gering: Im Normalbetrieb läuft alles wie gewohnt. Nur wenn das Netz in der Region überlastet ist, greift der Eingriff. Für Wärmepumpen mit Pufferspeicher ist das kaum spürbar.

Voraussetzung: Intelligentes Messsystem (Smart Meter) und Registrierung beim Netzbetreiber. Die meisten Netzbetreiber bieten das mittlerweile aktiv an.

Warum das Thema 2026 wichtiger wird: Mit 2 Millionen installierten Wärmepumpen und 410.000 prognostizierten Neugeräten allein für 2026 wird die Winter-Spitzenlast zum kritischen Faktor für Verteilnetze. Mehr dazu in Wärmepumpen-Boom 2026: Belastet der Ausbau das Stromnetz im Winter? mit Hochrechnung der theoretischen Spitzenlast und §14a-Modul-Vergleich.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Anteil der Netzentgelte am Strompreis?

Netzentgelte machen rund 30 bis 35% des Strompreises aus und sind damit der zweitgrößte Block nach Abgaben und Steuern. Sie werden von der Bundesnetzagentur reguliert und von jedem Netzbetreiber separat festgelegt. Sparen lässt sich hier nicht durch einen Tarifwechsel, sondern vor allem durch Eigenverbrauch.

Warum steigen die Netzentgelte 2026 weiter an?

Die Netzentgelte steigen vor allem aus drei Gründen: Netzausbau für Erneuerbare, steigende Systemkosten und sinkende Netzauslastung. Leitungsprojekte wie Ultranet, SuedLink und SuedOstLink kosten dutzende Milliarden Euro, die über die Netzentgelte finanziert werden. Schon von 2023 auf 2024 stiegen die Netzentgelte um 15%.

Lohnt sich der Netzentgelt-Rabatt nach Paragraph 14a EnWG für Wärmepumpen-Besitzer?

Ja, für die meisten Haushalte mit Wärmepumpe oder Wallbox lohnt sich der Rabatt: Er beträgt durchschnittlich 110 bis 190 Euro pro Jahr, je nach Netzbetreiber. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber die Leistung in Stresssituationen kurzzeitig begrenzen. Im Normalbetrieb läuft alles wie gewohnt, für Wärmepumpen mit Pufferspeicher ist der Eingriff kaum spürbar.

Wie stark darf der Netzbetreiber meine Wärmepumpe oder Wallbox drosseln?

Der Netzbetreiber darf die Leistung von Wärmepumpe oder Wallbox für maximal 2 Stunden am Tag auf 4,2 kW begrenzen. Der Eingriff greift nur, wenn das Netz in der Region überlastet ist. Voraussetzung für die Teilnahme sind ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) und die Registrierung beim Netzbetreiber.

Warum sind die Netzentgelte nicht überall in Deutschland gleich hoch?

Die Netzentgelte unterscheiden sich stark, weil jeder der über 800 Netzbetreiber in Deutschland seine Preise separat festlegt und die Infrastrukturkosten regional abweichen. In ländlichen Regionen mit viel Windeinspeisung können sie 2 bis 3× höher sein als in städtischen Gebieten. Beispiel 2024: Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 12 bis 15 Ct/kWh inklusive Umlagen, München bei 6 bis 8 Ct/kWh.

Kann ich Netzentgelte durch einen Stromanbieterwechsel sparen?

Nein, Netzentgelte sind reguliert und bei jedem Anbieter identisch. Nur rund 25 bis 35% des Strompreises, nämlich Energiebeschaffung und Marge, sind durch einen Anbieterwechsel beeinflussbar. Die beste Strategie gegen Netzentgelte ist Eigenverbrauch: Jede selbst verbrauchte kWh spart alle Netzkosten.

Quellen & weiterführende Informationen