Eine Split-Klimaanlage, die auch heizt, so lässt sich die Luft-Luft-Wärmepumpe am besten beschreiben. Moderne Inverter-Geräte arbeiten im Winter genauso effizient wie im Sommer. Selbst bei −25°C Außentemperatur liefern sie noch Heizwärme.
In Japan und Südkorea sind Luft-Luft-Systeme die vorherrschende Heizlösung. In Deutschland spielen sie bisher kaum eine Rolle: kein Warmwasser, eingeschränkte Förderung, und im Neubau dominieren Luft-Wasser-Systeme. Als Ergänzung zur bestehenden Heizung oder für einzelne Räume bleibt die Luft-Luft-WP trotzdem die günstigste Wärmepumpen-Variante. Wer stattdessen eine Luft-Wasser-WP plant, sollte die versteckten Installationskosten kennen.
Wie funktioniert eine Luft-Luft-WP?
Eine Luft-Luft-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme und gibt sie über Innengeräte direkt an die Raumluft ab, ohne Wasserrohre oder Heizkörper.
Ein Kältemittel nimmt Wärme bei niedriger Temperatur auf und gibt sie bei höherer Temperatur wieder ab. So funktioniert jede Wärmepumpe. Der Unterschied zur Luft-Wasser-Variante: Statt Heizwasser erwärmt (oder kühlt) die Luft-Luft-WP direkt die Raumluft.
Außengerät mit Verdichter und Wärmetauscher, ein oder mehrere Innengeräte als Wandeinheiten, verbunden über Kältemittelleitungen. Keine Wasserrohre, keine Fußbodenheizung. Die Installation fällt deutlich einfacher aus als bei Luft-Wasser-Systemen.
Heizen mit Klimaanlage, funktioniert das wirklich?
Ja. Moderne Split-Klimaanlagen sind technisch identisch mit Luft-Luft-Wärmepumpen. Der Unterschied ist nur die Nutzung: Wer das Gerät primär zum Heizen betreibt, spricht von Wärmepumpe. Die Technik ist dieselbe. Entscheidend für die Effizienz ist ein Inverter-Verdichter, den haben alle aktuellen Markengeräte.
Kühlen im Sommer
Im Kühlbetrieb kehrt sich der Kreislauf um: Das Innengerät entzieht der Raumluft Wärme, das Außengerät gibt sie an die Umgebung ab. Moderne Geräte erreichen dabei einen EER (Energy Efficiency Ratio) von 4,5 bis 6,5, pro eingesetzter kWh Strom also 4,5 bis 6,5 kWh Kühlleistung. Wie Luft-Wasser- und Sole-Anlagen über die Fußbodenheizung kühlen, zeigt der Ratgeber Wärmepumpe kühlen: passiv, aktiv und Kosten.
Heizen bis −25°C
Frühere Klimaanlagen heizten nur bis ca. −5°C. Aktuelle Inverter-Systeme von Daikin, Mitsubishi und Panasonic schaffen −25°C. Der COP sinkt dabei allerdings spürbar: Bei −15°C liefern die meisten Geräte nur noch einen COP von 1,5 bis 2,0. Für solche Kälteperioden empfiehlt sich ein Backup-Heizstab.
Vorteile und Nachteile im Überblick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Günstige Installation (kein Wassersystem) | Kein Warmwasser integriert |
| Kühlung im Sommer inklusive | Luftzug durch Innengeräte (manche stört das) |
| Sehr hohe Effizienz im Kühlbetrieb | Schlechtere JAZ als Sole-WP bei extremer Kälte |
| Einfacher Mehrzonenbetrieb | Innengeräte sichtbar an der Wand |
| Keine Heizkörper oder Fußbodenheizung nötig | Regelmäßige Filterreinigung nötig |
| Nachrüstung in Bestandsgebäude einfach | F-Gase-Verordnung: nur zertifizierte Techniker |
Luft-Luft vs. Luft-Wasser-WP
Die Luft-Luft-WP kostet ab 2.000 Euro und kühlt besser, die Luft-Wasser-WP liefert Warmwasser und bekommt bis zu 70 % BEG-Förderung.
| Merkmal | Luft-Luft-WP | Luft-Wasser-WP |
|---|---|---|
| Wärmeabgabe | Direkt in die Raumluft | Über Heizkörper/Fußbodenheizung |
| Warmwasserbereitung | Nein (separates Gerät nötig) | Ja, integriert |
| Kühlung | Ja, inklusive | Begrenzt (aktiv oder passiv) |
| Installationskosten | 2.000 bis 8.000 € | 12.000 bis 22.000 € |
| BEG-Förderung | Eingeschränkt (nur als Vollheizung + BAFA-Liste) | Ja, bis 70% |
| Heizeffizienz (JAZ) | 2,5 bis 4,0 | 2,8 bis 4,5 |
| Eignung Altbau | Als Ergänzung gut | Gut mit angepasstem Verteilsystem |
Der zentrale Nachteil: Die BEG-Förderung ist an enge Voraussetzungen geknüpft. Das Gerät muss auf der BAFA-Liste stehen und den gesamten Wärmebedarf abdecken, was bei reiner Zusatzheizung nicht der Fall ist. Wer die Gasheizung komplett ablösen will, hat es mit einer Luft-Wasser-WP einfacher, die ist mit bis zu 70 % BEG gefördert.
Kosten und Konfigurationen
Single-Split ab 1.500 Euro, Multi-Split ab 4.000 Euro, Kanalsystem ab 5.000 Euro, jeweils inklusive Montage durch zertifizierten Fachbetrieb.
Single-Split (1 Innengerät)
Ein Außengerät, ein Innengerät, das einfachste Setup. Typisch für einzelne Räume, Büros oder kleine Apartments. Die Kosten liegen bei 1.500 bis 3.500 Euro inklusive Montage, die Heizleistung bei 2,5 bis 7 kW. Das reicht für 25 bis 70 m² bei guter Dämmung.
Multi-Split (mehrere Innengeräte)
Ein Außengerät versorgt zwei bis fünf Innengeräte. Jeder Raum lässt sich individuell regeln, echte Zonenheizung. Die Kehrseite: Das Außengerät muss genug Leistung für alle Innengeräte gleichzeitig liefern. Ein 3-Zonen-System kostet 4.000 bis 10.000 Euro.
Ducted-System (Kanalluft)
Hier sitzt das Innengerät unsichtbar in der Zwischendecke. Über Kanäle gelangt die Luft in die einzelnen Räume. Optisch die eleganteste Lösung, dafür aufwendiger bei der Installation. Rechnen Sie mit mindestens 5.000 Euro.
Hersteller-Vergleich
Bei Luft-Luft-Systemen liegen die Qualitätsunterschiede näher beieinander als bei Luft-Wasser-WP, dennoch gibt es klare Abstufungen. Japanische und koreanische Hersteller dominieren. Europäische Marken verkaufen häufig umgelabelte asiatische Technik.
| Hersteller | COP (A7/A20) | Min. Außentemp. | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Mitsubishi Electric (MSZ/MUZ) | bis 5,1 | −25°C | Sehr zuverlässig, Hyper Heating |
| Daikin (Perfera, Emura, Stylish) | bis 5,6 | −25°C | Perfera Testsieger (SCOP 5,2), große Modellpalette |
| Panasonic (Etherea) | bis 5,5 | −25°C | Leise, gutes Preis-Leistung |
| LG (Artcool) | bis 5,2 | −25°C | Design-Fokus, ThinQ-Integration |
| Samsung (Wind-Free) | bis 5,4 | −25°C | Zugluftfreie Kühlung |
| Fujitsu (Aoyg) | bis 5,0 | −25°C | Solide Industriemodelle |
Die meisten genannten Hersteller haben ihre Serien weitgehend auf das Kältemittel R32 umgestellt (statt R410A). R32 hat ein um 67 % geringeres Treibhauspotenzial. Regulatorischer Ausblick: Laut der novellierten EU-F-Gase-Verordnung (2024/573) werden die GWP-Grenzwerte schrittweise verschärft. Für Split-Klimageräte unter 12 kW greift die entscheidende Einschränkung voraussichtlich ab 2029. Erste Modelle mit R290 (Propan, GWP 3) haben Daikin und Mitsubishi angekündigt. Wartung und Installation erfordern einen F-Gase-zertifizierten Techniker, in der Regel.
Förderung und Genehmigung
Luft-Luft-Wärmepumpen können BEG-gefördert werden (KfW 458), wenn sie den vollständigen Wärmebedarf decken und auf der BAFA-Liste stehen. Alternativ: steuerliche Absetzung über § 35c EStG.
Entscheidend für die BEG-Förderung (KfW 458): Das System muss den gesamten Wärmebedarf des Gebäudes decken und auf der BAFA-Liste förderfähiger Anlagen stehen. Die KfW nennt in ihrem Zuschuss-458-Rechenbeispiel explizit ein Multisplit-System als Ersatz für eine Nachtspeicherheizung. Reine Zusatzheizungen oder Einzelraumgeräte sind dagegen nicht förderfähig. Steuerlich bleibt § 35c EStG als Alternative, das klärt ein Steuerberater.
GEG § 71 (bis 28. Juli 2026): Von Januar 2024 bis Juli 2026 mussten neue Heizungen mindestens 65 % erneuerbare Energien nutzen; das GModG hat den Paragrafen zum 29. Juli 2026 gestrichen. Luft-Luft-Wärmepumpen erfüllen diese Quote, sofern sie den gesamten Wärmebedarf des Gebäudes decken. Entscheidend ist nicht der Anlagentyp, sondern die Deckung. Eine separate Warmwasserlösung bleibt in jedem Fall Pflicht.
Baugenehmigung: In den meisten Fällen brauchen Einfamilienhäuser keine Genehmigung, solange das Außengerät die Abstandsflächen einhält. Einzelne Bundesländer regeln technische Anlagen an Außenwänden abweichend, fragen Sie vorab beim Bauamt nach. In Denkmalschutzzonen ist eine Genehmigung fast immer erforderlich.
F-Gase-Verordnung: Nur zertifizierte Fachbetriebe (nach EU-Verordnung 2024/573) dürfen Luft-Luft-WP installieren und warten. Eigeninstallation ist illegal und lässt die Herstellergarantie erlöschen. Zum Vergleich: Ein Balkonkraftwerk dürfen Sie selbst montieren.
Häufige Fragen zu Luft-Luft-Wärmepumpen
Kann eine Luft-Luft-Wärmepumpe als alleinige Heizung dienen?
Ja, das GEG erlaubt es. In gut gedämmten Gebäuden (KfW 55 oder besser) reicht die Heizleistung aus. Warmwasser liefert die Anlage allerdings nicht. Dafür brauchen Sie einen separaten Boiler oder eine Brauchwasser-Wärmepumpe (ab 800 Euro).
Wie laut ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe?
Das Außengerät erreicht 45 bis 55 dB(A), vergleichbar mit einem Kühlschrank. Innengeräte im Nachtmodus liegen bei 19 bis 24 dB(A). Premium-Modelle von Daikin und Mitsubishi sind deutlich leiser als Einstiegsgeräte.
Bekomme ich Förderung für eine Luft-Luft-Wärmepumpe?
Eine BEG-Förderung (KfW 458) ist möglich, wenn die Luft-Luft-WP den gesamten Wärmebedarf deckt und BAFA-gelistet ist. Die KfW führt ein Multisplit-System als Rechenbeispiel. Reine Zusatzheizungen sind nicht förderfähig. Alternativ: steuerliche Absetzung über § 35c EStG.
Was kostet der Strom für eine Luft-Luft-Wärmepumpe pro Jahr?
Bei einem COP von 4,0 und 5.000 kWh Heizwärmebedarf verbraucht die Anlage rund 1.250 kWh Strom. Bei 30 ct/kWh sind das etwa 375 Euro pro Jahr. Mit PV-Eigenverbrauch sinken die Kosten auf 100 bis 200 Euro.
Luft-Luft oder Luft-Wasser: Was ist besser für den Altbau?
Die Gasheizung komplett ersetzen? Dann Luft-Wasser-WP mit Förderung. Die Gasheizung behalten und Kühlung plus Zusatzheizung ergänzen? Dann Luft-Luft-WP. Im schlecht gedämmten Altbau rechnet sich die Luft-Luft-WP als alleinige Heizung selten.
Quellen & weiterführende Informationen
- GEG § 71, 65-%-Erneuerbare-Energien-Pflicht für neue Heizungen
- EU-F-Gase-Verordnung 2024/573, Novellierte Verordnung, seit März 2024 in Kraft (ersetzt 517/2014)
- KfW Zuschuss 458, Rechenbeispiel mit Luft-Luft-WP (Multisplit ersetzt Nachtspeicherheizung)
- BAFA, Bundesförderung Effiziente Gebäude, Förderfähige Anlagen, 2025
- Hersteller-Datenblaetter: Mitsubishi Electric, Daikin, Panasonic, LG, Samsung 2025/2026
- Verband Kälte Klima Klimatechnik (BIV): Marktbericht Klimasysteme Deutschland 2025
- Bundesverband Wärmepumpe (BWP), Marktentwicklung und Technologieübersicht 2025