Wozu die Wärmepumpe eine Kernbohrung braucht#
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Außengerät braucht eine Verbindung ins Haus. Die Leitungen laufen vom Gerät im Garten oder an der Fassade zum Heizungsraum, und irgendwo müssen sie durch die Außenwand oder die Bodenplatte. Diese Öffnung entsteht in der Regel als Kernbohrung: Eine Bohrmaschine mit hohler Diamantbohrkrone schneidet ein sauber rundes Loch aus der Wand. Übrig bleibt ein zylindrischer Bohrkern, daher der Name.
Die Kernbohrung wirkt wie ein Nebengewerk, hat aber Folgen für Jahrzehnte. Sitzt sie an der falschen Stelle, ist sie zu klein für Dämmung und Dichtung oder unter Erdniveau nicht dicht. Das zeigt sich oft erst Monate später als feuchte Kellerwand. Welche Zusatzposten neben dem Gerät typischerweise anfallen, fasst der Artikel versteckte Installationskosten der Wärmepumpe zusammen. Für eine erste Wirtschaftlichkeitsrechnung eignet sich der Wärmepumpen-Rechner.
Split oder Monoblock: welche Leitungen durch die Wand gehen#
Welche Leitungen durch die Wand müssen, hängt von der Bauart ab. Bei einer Split-Wärmepumpe ist der Kältekreis auf zwei Geräte verteilt: Kältemittelleitungen aus Kupfer verbinden Außen- und Inneneinheit. Bei einer Monoblock-Wärmepumpe steckt der komplette Kältekreis im Außengerät. Ins Haus führen dann wassergefüllte Heizungsleitungen für Vorlauf und Rücklauf. In beiden Fällen kommen die Stromversorgung und eine Kommunikationsleitung dazu.
| Merkmal | Split-Wärmepumpe | Monoblock-Wärmepumpe |
|---|---|---|
| Leitungen zur Inneneinheit | Kältemittelleitungen aus Kupfer, gedämmt | Heizungsvorlauf und Heizungsrücklauf, wassergeführt |
| Elektrische Leitungen | Stromversorgung und Steuerleitung | Stromversorgung und Kommunikationsleitung (bei Viessmann BUS) |
| Kältemittel im Gebäude | Ja, der Kältekreis reicht bis zur Inneneinheit | Nein, der Kältekreis bleibt im Außengerät |
| Dämmung im Außenbereich | nach Vorgabe des Geräteherstellers | laut Viessmann ausreichend dick nach GEG und UV-beständig |
Wie groß die Bohrung werden muss, ergibt sich aus Leitungen, Dämmung und Abdichtung, nicht aus einer Faustregel. In der Planungsanleitung der Viessmann Vitocal 250-A heißt es dazu knapp: „Die Größe des Wanddurchbruchs ist abhängig von der Wandbeschaffenheit und der gewünschten Abdichtung.“ Maßgeblich ist deshalb die Montageanleitung des Geräts, das tatsächlich eingebaut wird.
Wandmaterial: Mauerwerk, Beton und gedämmte Fassade#
Das Wandmaterial bestimmt Werkzeug, Aufwand und Risiko. Die häufigsten Fälle im Bestand:
- Mauerwerk aus Ziegel, Kalksandstein oder Porenbeton lässt sich gut kernbohren. Bei Hochlochziegeln liegen nach dem Bohren die Kammern offen, darauf muss die spätere Abdichtung eingestellt sein.
- Beton und Stahlbeton sind hart und oft bewehrt. Das Bohren dauert länger, und die Bewehrung spielt für die Statik eine Rolle.
- WU-Beton, also wasserundurchlässiger Beton einer „weißen Wanne“, ist selbst die Abdichtung des Kellers. Jede Bohrung durchstößt diese Schicht. Viessmann bietet für seine erdverlegte Verbindungsleitung eine Ringraumdichtung an, die zur direkten Verwendung in WU-Beton vorgesehen ist.
- Wärmedämmverbundsystem: Die Bohrung läuft durch Putz und Dämmung. Die Durchführung muss auch in der Dämmebene dicht sein, sonst kann Regenwasser hinter die Putzschicht gelangen.
- Holz- und Fertigbauweise: Hier werden Winddichtung und Dampfbremse durchstoßen. Maßgeblich sind meist die Vorgaben des Hausherstellers.
Nass oder trocken? In Beton und Mauerwerk bohrt der Betrieb meist nass. Wasser kühlt die Diamantkrone und bindet den Bohrstaub. Es tritt als grauer Schlamm aus und muss innen aufgefangen werden, damit Estrich, Wände und Geräte im Technikraum sauber bleiben. Bei manchen Mauerwerksarten ist auch eine Trockenbohrung mit Staubabsaugung möglich.
Vor dem Bohren sucht der Betrieb die Wand nach Strom-, Wasser- und Gasleitungen ab. Eine getroffene Leitung ist teuer und im Fall von Gas gefährlich.
Die richtige Position der Bohrung#
Wo die Bohrung sitzt, folgt aus dem Aufstellort des Außengeräts, nicht umgekehrt. Der Aufstellort hängt am Schallschutz, an Abständen und bei Geräten mit dem Kältemittel R290 an einem Schutzbereich. Viessmann listet für die Vitocal 250-A auf, was innerhalb dieses Schutzbereichs nicht vorhanden sein darf. Dazu zählen Gebäudeöffnungen wie Fenster, Türen und Lichtschächte, Einläufe in Abwassersysteme, Schächte und Senken sowie elektrische Hausanschlüsse, Steckdosen, Lampen und Lichtschalter. Wie groß der Schutzbereich ist, steht in der Anleitung des jeweiligen Geräts. Welche Abstände aus Lärmschutzgründen nötig sind, erklärt der Artikel Wärmepumpe Lautstärke und Schallschutz.
Die Leitungen können über oder unter Erdniveau ins Haus geführt werden, unter Erdniveau durch die Wand oder durch die Bodenplatte. Viessmann schreibt vor, Wanddurchführungen und Schutzrohre „ohne Formteile und Richtungsänderungen“ auszuführen. Die Leitung soll also gerade durch die Wand laufen.
- Über Erdniveau entfallen Aushub und Abdichtung gegen Erdfeuchte. Dafür ist die Leitung außen sichtbar und braucht eine witterungs- und UV-feste Dämmung.
- Unter Erdniveau verschwindet die Leitung im Boden. Die Abdichtung ist aufwendiger, und es kommen Erdarbeiten für Graben und Fundament dazu. Bei der Vitocal 250-A hängt sogar der Abstand des Fundaments zur Hauswand davon ab, ob die Leitung gerade oder mit Biegung zur Durchführung läuft.
Abdichtung nach DIN 18533#
Für Durchführungen unter Erdniveau ist die DIN 18533 maßgeblich. Sie regelt die Abdichtung erdberührter Bauteile und hat 2017 die zuvor geltende DIN 18195 für diesen Bereich abgelöst. Die Norm besteht aus drei Teilen: Anforderungen und Planungsgrundsätze, Abdichtung mit Bahnen und Abdichtung mit flüssig verarbeiteten Stoffen. Der Normtext ist kostenpflichtig. Die folgenden Punkte stützen sich auf Herstellerangaben.
- Bodenfeuchte und nicht stauendes Sickerwasser: Hier kann die Flächenabdichtung laut Fachinformation von Saint-Gobain Weber direkt kehlenförmig an das durchdringende Rohr angearbeitet werden.
- Höhere Wasserbelastung oder bewegliche Leitungen: Dann kommen Rohrdurchführungen mit Los- und Festflansch oder Klebeflansch und austauschbarer Quetschdichtung zum Einsatz.
- Drückendes Wasser: Für die erdverlegte Verbindungsleitung der Vitocal 250-A verlangt Viessmann, die Durchführung durch Wand oder Bodenplatte mit einer Ringraumdichtung gegen drückendes Wasser abzudichten.
Welches System passt, hängt vom Wasserlastfall am Gebäude und von der vorhandenen Kellerabdichtung ab. Im Einzelfall gelten die Vorgaben des Herstellers des Abdichtungssystems. Auch über Erdniveau bleibt die Durchführung nicht offen: Viessmann verlangt, die Gebäudedurchführung „sowohl unterhalb als auch oberhalb der Erdgleiche entsprechend dem Stand der Technik“ zu verschließen. Innen verhindert ein dichter Abschluss, dass kalte Außenluft in den Technikraum zieht.
Statik: wann ein Tragwerksplaner gefragt ist#
Ob eine Bohrung statisch relevant ist, hängt von Lage, Größe und Bauteil ab. Ein Tragwerksplaner sollte vorab prüfen, wenn einer dieser Fälle vorliegt:
- tragende Wand oder Decke aus Stahlbeton
- Bohrung nahe an Stürzen, Stützen oder Deckenauflagern
- mehrere Bohrungen dicht nebeneinander
- Bohrung durch die Bodenplatte oder eine Wand aus WU-Beton
Beim Stahlbeton kommt die Bewehrung dazu. Trifft die Bohrkrone einen Bewehrungsstab, wird er durchtrennt. Deshalb wird vor dem Bohren die Lage der Bewehrung geortet und die Bohrung so gesetzt, dass sie zwischen den Stäben liegt. Bei einer Bodenplatte oder weißen Wanne betrifft die Bohrung gleichzeitig Tragwerk und Abdichtung, deshalb sollten beide Fragen vor dem Termin geklärt sein.
Ablauf einer Kernbohrung in sechs Schritten#
Eine Kernbohrung für die Wärmepumpe läuft typischerweise in sechs Schritten ab, vom Aufstellort des Außengeräts bis zur verschlossenen Durchführung:
- Aufstellort und Leitungsweg festlegen: Zuerst steht der Platz des Außengeräts fest, mit Schallschutz, Schutzbereich bei R290 und Weg zum Heizungsraum. Daraus ergibt sich, wo die Leitung ins Haus geht und ob über oder unter Erdniveau.
- Wand prüfen: Material, Wandstärke und Aufbau werden erfasst, Leitungen in der Wand geortet und bei Stahlbeton die Bewehrung gesucht. Bei tragenden oder abdichtenden Bauteilen prüft vorab ein Tragwerksplaner.
- Durchmesser und Abdichtung festlegen: Nach Leitungen, Dämmung und Wasserlastfall werden Bohrdurchmesser und Abdichtungssystem gewählt, unter Erdniveau nach DIN 18533 oder dem System des Herstellers.
- Kernbohrung ausführen: Mit Diamantbohrkrone wird in der Regel nass gebohrt. Das Spülwasser wird innen aufgefangen, die Bohrung erhält ein leichtes Gefälle nach außen.
- Durchführung einsetzen und abdichten: Futterrohr oder Rohrdurchführung wird eingesetzt, unter Erdniveau mit Ringraumdichtung oder Flanschsystem, über Erdniveau mit einem dauerhaft dichten Abschluss.
- Leitungen einziehen und verschließen: Die Leitungen laufen gerade und ohne Formteile durch die Wand, werden gedämmt, und die Durchführung wird innen und außen verschlossen. Fotos der offenen Durchführung dokumentieren die Ausführung.
Typische Fehler bei der Kernbohrung#
Die folgenden Fehler betreffen Planung und Reihenfolge, Durchmesser und Gefälle, die Abdichtung und die Bauteile in der Wand:
- Bohrung vor dem Aufstellort geplant: Wird zuerst gebohrt und dann der Platz des Außengeräts gesucht, steht das Gerät oft dort, wo Schallschutz oder Schutzbereich nicht passen.
- Zu kleiner Durchmesser: Passen Leitungen, Dämmung und Dichtung nicht sauber hinein, wird gequetscht oder die Dämmung im Wandbereich weggelassen. Das kostet Energie und kann zu Tauwasser an der Leitung führen.
- Gefälle nach innen: Fällt die Bohrung zum Haus hin ab, läuft Wasser an der Leitung entlang nach innen. Üblich ist ein leichtes Gefälle nach außen.
- Improvisierte Abdichtung unter Erdniveau: Bauschaum oder Silikon ersetzen keine Abdichtung nach DIN 18533. Feuchteschäden zeigen sich oft erst nach Monaten.
- Leitungen in der Wand getroffen: Ohne Ortung drohen beschädigte Strom-, Wasser- oder Gasleitungen.
- Bewehrung ungeprüft durchtrennt: Bei Stahlbeton ohne Ortung und ohne Rücksprache mit der Statik.
- Bögen in der Durchführung: Richtungswechsel und Formteile in der Wand erschweren das Einziehen und widersprechen Herstellervorgaben wie denen von Viessmann.
- Spülwasser nicht aufgefangen: Der Bohrschlamm verschmutzt Technikraum, Estrich und vorhandene Geräte.
Was eine Kernbohrung kostet: die Faktoren#
Einen seriösen Preis ohne Blick auf die Wand gibt es nicht. Den Aufwand bestimmen vor allem diese Punkte:
- Durchmesser und Anzahl der Bohrungen
- Wandstärke und Material, Stahlbeton mit Bewehrung ist aufwendiger als Mauerwerk
- Lage über oder unter Erdniveau, unter Erdniveau kommen Aushub und Abdichtung dazu
- Abdichtungssystem, etwa Ringraumdichtung oder Flanschkonstruktion
- Zugänglichkeit innen und außen, Höhe der Bohrung und Platz für das Bohrgerät
- Nacharbeiten an Putz, Fassade oder Wärmedämmverbundsystem
- Anfahrt und Abstimmung mit Heizungsbauer und Elektriker
Für ein Angebot helfen Fotos der Wand innen und außen, die ungefähre Wandstärke, die geplante Lage des Außengeräts und die Angabe, ob ein Split- oder Monoblock-Gerät kommt. Die Kernbohrung ist nur einer von mehreren Posten neben dem Gerät, einen Überblick gibt der Artikel zu den versteckten Installationskosten.
Förderung und Steuer: KfW 458 und § 35a EStG#
Die Kernbohrung ist kein eigenes Förderprogramm, kann aber als Umfeldmaßnahme der Wärmepumpe mitgefördert werden. Nach dem KfW-Merkblatt 458 sind neben Gerät und Montage auch notwendige Umfeldmaßnahmen grundsätzlich förderfähig. Ob eine konkrete Position anerkannt wird, entscheidet sich im Einzelfall über den Antrag. Praktisch hilft es, die Kernbohrung im Angebot für die Wärmepumpe als eigene Position auszuweisen. Wie Bundes- und Münchner Förderung zusammenspielen, beschreibt der Artikel Wärmepumpe München: FKG und KfW 458.
Für Privathaushalte gibt es alternativ die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen nach § 35a EStG: 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens 1.200 Euro. Berücksichtigt werden nur die Arbeitskosten, Voraussetzung sind eine Rechnung und die Zahlung auf das Konto des Betriebs. Mit einem Zuschuss lässt sich das nicht kombinieren:
„Dies gilt nicht für öffentlich geförderte Maßnahmen, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen werden.“
Wer die Wärmepumpe mit KfW-Zuschuss fördern lässt, kann für dieselbe Maßnahme also nicht zusätzlich § 35a nutzen. Für Betriebe, etwa Heizungsbauer, die eine Kernbohrung als Leistung einkaufen, spielt § 35a keine Rolle, er gilt nur für private Auftraggeber. Welche Kombinationen grundsätzlich möglich sind, zeigt der Artikel Förderung kombinieren.
Wer darf kernbohren? Ein Blick ins Handwerksrecht#
Das Kernbohren selbst ist kein Meisterhandwerk. In der Handwerksordnung steht „Betonbohrer und -schneider“ in Anlage B, Abschnitt 2, also bei den handwerksähnlichen Gewerben. Diese sind grundsätzlich zulassungsfrei. Anders die Elektroarbeiten an der Wärmepumpe: „Elektrotechniker“ ist in Anlage A Nr. 25 als zulassungspflichtiges Handwerk gelistet.
Arbeiten am Zählerplatz dürfen zusätzlich nur Betriebe ausführen, die im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen sind. Was das für Wärmepumpe und Wallbox bedeutet, erklärt der Artikel Zählerschrank erneuern für Wärmepumpe und Wallbox. Weil das Kernbohren zulassungsfrei ist, kann ein Elektrobetrieb Wanddurchführung und elektrischen Anschluss aus einer Hand anbieten.
Fachbegriffe wie Split-System, R290, Kältemittel und KfW 458 werden im zentralen Energie-Glossar ausführlich erklärt.
Quellen und Nachweise (Primärquellen)
- Viessmann: Planungsanleitung Vitocal 250-A und 252-A, Dokument 6175107 (PDF), abgerufen am 22.09.2026
- Saint-Gobain Weber GmbH: Abdichten von Durchdringungen für z. B. Medienrohre gemäß DIN 18533, abgerufen am 22.09.2026
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: Einkommensteuergesetz, § 35a, abgerufen am 22.09.2026
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: Handwerksordnung, Anlage A, abgerufen am 22.09.2026
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: Handwerksordnung, Anlage B, abgerufen am 22.09.2026
- KfW Bankengruppe: Merkblatt Zuschuss Nr. 458, BEG Heizungsförderung für Privatpersonen (PDF), abgerufen am 22.09.2026