Warum explodieren die Gaspreise 2026? Die Iran-Krise als Auslöser#
Am 2. März 2026 schloss Iran die Straße von Hormuz für den internationalen Schiffsverkehr. Durch diese Meerenge fließen rund 20 % des weltweiten Flüssiggas-Handels (LNG). Die Folge: QatarEnergy, einer der wichtigsten LNG-Lieferanten Europas, erklärte am 24. März Force Majeure auf rund 17 % seiner Lieferkapazitäten. Betroffen sind Kunden in Italien, Belgien, Südkorea und China.
Europa traf der Ausfall in einer angespannten Lage. Nach dem harten Winter 2025/26 lagen die EU-Gasspeicher bei historisch niedrigen rund 30 % Füllstand, dem tiefsten Wert seit neun Jahren (Quelle: ACER). Die Kombination aus niedrigen Reserven und plötzlichem Angebotsausfall ließ den TTF-Gaspreis innerhalb weniger Wochen von 31,51 auf 74 EUR/MWh explodieren.
Von 31 auf 74 EUR/MWh: Die TTF-Preisentwicklung im Zeitverlauf#
| Zeitraum | TTF EUR/MWh | Ereignis |
|---|---|---|
| Januar 2026 | ca. 33 | Normaler Winterbetrieb |
| 17. Februar | 29,82 | Monatstief |
| 27. Februar | 31,51 | Letzter Tag vor der Krise |
| 4. März | 48 | Erster Handelstag nach Hormuz |
| 23. März | ca. 60 | Krisenpeak (Intraday bis 74) |
| 9. April | 46,17 | +44,5 % vs. Prä-Krisen |
| 8. Mai | 44,21 | Leichte Entspannung |
| 26. Mai | 48,04 | Aktuell (leicht ansteigend) |
Quellen: Investing.com, Trading Economics, Stand 26.05.2026
Der Preisschock hat sich vom März-Peak (74 EUR/MWh) auf aktuell 48 EUR/MWh zurückgebildet, bleibt aber 50 % über dem Vorkrisenniveau. Ein vollständiger Rückgang ist nicht absehbar: Katar hat die Force Majeure bis mindestens Mitte Juni 2026 verlängert (Quelle: Bloomberg, 4. Mai 2026). Die Straße von Hormuz bleibt für Tankerverkehr weitgehend gesperrt.
Was kostet Heizen mit Gas aktuell? Preise für Haushalte Mai 2026#
Der Großhandelspreis schlägt zeitverzögert auf die Endkundenpreise durch. Stand Mai 2026:
| Kundensegment | Preis Mai 2026 (ct/kWh) |
|---|---|
| Neukunden (günstigster Anbieter) | 9,60 bis 10,10 |
| BDEW-Durchschnitt (EFH, 20.000 kWh/a) | 11,10 |
| Grundversorgung | über 13,00 |
Quellen: BDEW, Finanztip, Mai 2026
Im Jahresvergleich: Neukunden zahlen rund 6,5 % mehr als im Mai 2025. Bestandskunden mit laufenden Verträgen sind kurzfristig geschützt, werden aber bei der nächsten Vertragsanpassung die neuen Beschaffungskosten spüren. Wer in der Grundversorgung steckt, zahlt schon jetzt deutlich mehr.
Gasheizung vs. Wärmepumpe 2026: Der Kostenvergleich nach Iran-Krise#
Die Iran-Krise verschiebt die Kostenrechnung weiter zugunsten der Wärmepumpe. Rechenbeispiel für ein Einfamilienhaus mit 18.000 bis 20.000 kWh Heizbedarf pro Jahr:
| Kriterium | Gasheizung (Brennwert, 95 %) | Wärmepumpe (Luft-Wasser, JAZ 3,5) |
|---|---|---|
| Energieverbrauch | ca. 21.000 kWh/a | ca. 5.400 kWh Strom/a |
| Preis pro kWh | 11,10 ct (BDEW-Schnitt) | 21,51 ct (WP-Sondertarif) |
| Jahresheizkosten | ca. 2.330 Euro | ca. 1.160 Euro |
| Ersparnis WP | ca. 1.170 Euro pro Jahr (50 %) | |
WP-Sondertarif: TGA-Fachplaner Barometer April 2026. BDEW-Gaspreis: Mai 2026.
Selbst bei einer konservativen Jahresarbeitszahl von 3,0 bleibt der Kostenvorteil bei 30 bis 35 %. Der BWP-Energiepreis-Monitor (6. Mai 2026) zeigt: Das Strom-Gas-Preisverhältnis liegt bei 2,9. Strom ist also 2,9-mal so teuer pro kWh, aber die Wärmepumpe braucht nur ein Drittel der Energie. Ein detaillierter Vergleich aller Heizsysteme im Heizkostenvergleich und in der Wärmepumpe-vs-Gas-Analyse.
Die EHPA bestätigt den Trend: In 11 europäischen Ländern wurden im Q1 2026 rund 575.000 Wärmepumpen verkauft, 17 % mehr als im Vorjahr. Deutschland, Frankreich und Polen legten im Schnitt 25 % zu (Quelle: EHPA).
Versorgungssicherheit Winter 2026/27: Wie riskant ist die Lage?#
Die EU-Gasspeicher standen am 23. Mai 2026 bei 37,45 % Füllstand (423,92 TWh), rund 18 Prozentpunkte unter dem Fünfjahresschnitt. Das ist der niedrigste Stand seit der Gaskrise 2022.
Drei Faktoren bestimmen, ob Europa den Winter sicher übersteht:
- LNG-Importe: US-LNG ersetzt Katar-Ausfälle teilweise. Italiens Edison meldete 10 stornierte Katar-Ladungen, die durch US-Lieferungen kompensiert wurden.
- Speicherziel: Das EU-Ziel von 80 % Füllstand bis 1. November 2026 ist bei aktuellen Importraten erreichbar, aber teuer. ACER schätzt die Mehrkosten auf 10 bis 15 Milliarden Euro.
- Hormuz-Dauer: Öffnet die Meerenge im Sommer 2026, entspannt sich die Lage. Bleibt sie geschlossen, könnten TTF-Preise im Herbst wieder auf 70 bis 80 EUR/MWh steigen.
Die Bundesnetzagentur stuft die Versorgungslage als angespannt, aber aktuell stabil ein.
Doppelter Preistreiber: CO2-Kosten machen Gas strukturell teurer#
Die Iran-Krise ist geopolitisch bedingt und könnte sich entspannen. Was Gas dauerhaft teurer macht, ist der CO2-Preis. Seit 2026 liegt der Korridor bei 55 bis 65 EUR pro Tonne CO2. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Gasverbrauch (rund 3,7 Tonnen CO2 pro Jahr) bedeutet das allein durch die CO2-Komponente rund 200 bis 240 Euro Mehrkosten gegenüber 2025.
Dazu kommen steigende Gasnetzentgelte: Je mehr Kunden vom Gasnetz abwandern, desto höher werden die Fixkosten pro verbleibendem Kunden umgelegt. Die CO2-Preisentwicklung bis 2035 zeigt: Selbst nach einer Iran-Lösung bleibt Gas strukturell teurer. Das GModG erlaubt zwar neue Gasheizungen, belastet sie aber ab 2029 mit der Biotreppe.
Was Hausbesitzer jetzt tun sollten: Checkliste#
- Gastarif prüfen: Wann läuft Ihr Vertrag aus? Bestandskunden mit Preisbindung bis Ende 2026 sind geschützt. Wer in die Grundversorgung rutscht, zahlt sofort Marktpreis. Vergleichsportale zeigen Neukundentarife ab 9,60 ct/kWh.
- KfW 458 jetzt beantragen: Die Wärmepumpenförderung (bis 70 % Zuschuss auf 30.000 Euro) steht 2026 in voller Höhe. Der Klimageschwindigkeitsbonus von 20 % gilt laut KfW-Merkblatt für Anträge bis Ende 2028, ab 2029 sind es 17 %. Details im Ratgeber zur Wärmepumpenförderung mit 70 % Zuschuss.
- Dynamischen Stromtarif prüfen: Wer bereits eine Wärmepumpe hat, kann mit einem dynamischen Stromtarif in windigen und sonnigen Stunden günstig heizen.