AC oder DC: Wo sitzt der Wechselrichter?#

Eine Autobatterie speichert Gleichstrom, das Hausnetz arbeitet mit Wechselstrom. Beim bidirektionalen Laden muss der Strom deshalb in beide Richtungen umgewandelt werden. Entscheidend ist, wo das passiert. Bei einer AC-Wallbox findet die Umwandlung im E-Auto statt, dafür braucht das Fahrzeug ein bidirektionales Bordladegerät. Eine DC-Wallbox übernimmt die Umwandlung selbst und tauscht Gleichstrom direkt mit der Batterie aus.

Warum die Wallbox dem Auto folgt

Ob ein E-Auto über AC oder DC zurückspeist, legt der Hersteller fest. Ein Fahrzeug ohne bidirektionales Bordladegerät kann an einer AC-Wallbox keinen Strom zurückgeben, auch wenn die Box als „BiDi-ready“ beworben wird. Solche Wallboxen sind laut ADAC nur vorbereitet. Umgekehrt nützt eine DC-Wallbox nur, wenn das Auto für genau dieses System freigegeben ist. Bidirektionale Wallboxen funktionieren bisher nur mit Fahrzeugen einzelner Hersteller oder im Rahmen von Kooperationen. Am Anfang steht deshalb immer die Frage, was das eigene Auto erlaubt. Welche Hersteller V2H grundsätzlich freigeben und was das für die Garantie heißt, fasst der Beitrag zu Herstellerfreigaben und Garantie zusammen.

AC-bidirektional und DC-bidirektional im Vergleich

Die wichtigsten Unterschiede der beiden Wege im Überblick:

KriteriumAC-bidirektionalDC-bidirektional
Wo wird umgewandelt?im Auto (bidirektionales Bordladegerät)in der Wallbox
Nachweise nach VDE-AR-N 4105aufgeteilt auf Auto und Wallbox oder Zertifizierung als geschlossenes Systemalle netzrelevanten Funktionen in der Wallbox
Stand in Deutschland 2026kein Angebot für Privatkunden gefundenerste Pakete buchbar (BMW, Ford mit Octopus), weitere angekündigt
BeispieleRenault 5 (kommerziell in Frankreich)BMW iX3, VW ID.-Modelle, Ford Capri und Explorer, Audi Q4 e-tron (V2H)

Welches E-Auto braucht welche Wallbox?#

Fast alle Lösungen, die es 2026 in Deutschland gibt oder die angekündigt sind, arbeiten mit Gleichstrom. Die Übersicht nennt Weg und Wallbox so, wie Hersteller und Anbieter sie angeben:

FahrzeugWegWallbox laut HerstellerStand September 2026
BMW iX3 (Neue Klasse)DCBMW Wallbox Professional, 11 kWfür Privatkunden bestellbar, V2G mit E.ON und V2H
VW ID.-Modelle, VW Nutzfahrzeuge, CUPRADCElli BiDi Chargeram 23. Juni 2026 vorgestellt, Starttermin offen
Ford Capri und Ford ExplorerDCAmbibox ambiCharge Home, 11 kWüber Octopus PowerDrive buchbar
Audi Q4 e-tronDCkompatible DC-Wallboxfür V2H in Deutschland, Österreich und der Schweiz geeignet
Renault 5ACbidirektionale AC-Ladestation (Mobilize)kommerziell in Frankreich, in Deutschland kein Angebot gefunden
Hyundai (IONIQ 5, IONIQ 6, KONA Elektro)nur V2Lkeine bidirektionale WallboxV2H und V2G laut Hyundai in Entwicklung

BMW: bisher die breiteste Lösung für Privatkunden

BMW bietet mit der Wallbox Professional derzeit die einzige bidirektionale Wallbox, die in Deutschland laut ADAC breit für Privatkunden verfügbar ist. Sie arbeitet mit Gleichstrom, leistet 11 kW und kostet ab 2.095 Euro. Sie funktioniert bisher nur mit Fahrzeugen der Neuen Klasse, aktuell dem iX3. Laut BMW unterstützt sie V2G in Kombination mit einem Stromtarif von E.ON und V2H mit einer eigenen PV-Anlage. Was der Tarif zahlt, steht im Beitrag zur V2G-Vergütung der Stromhändler.

Volkswagen-Konzern: Elli BiDi Charger

Elli, die Energie-Tochter des Volkswagen-Konzerns, hat am 23. Juni 2026 ein Paket aus DC-Wallbox, Stromtarif und App vorgestellt. Zum Start richtet es sich an Kunden von Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und CUPRA. Geplant sind Fahrzeuge ab ID. Software 3.5 mit mindestens 77 kWh Batterie sowie alle ID.-Modelle mit ID. Software 6. Einen Starttermin nennt Elli noch nicht. Laut Elli sind in Deutschland rund 360.000 Fahrzeuge der MEB-Plattform technisch für bidirektionales Laden vorbereitet.

Ford, Audi und Renault

Ford Capri und Ford Explorer lassen sich über den Tarif PowerDrive von Octopus Energy bidirektional nutzen. Octopus bietet ihn laut eigener Produktseite derzeit nur für diese beiden Modelle an. Exklusiv geht das mit der DC-Wallbox ambiCharge Home von Ambibox, im Paket ab 4.599 Euro inklusive Installation. Für Haushalte mit PV-Anlage und Überschusseinspeisung gibt es den Tarif derzeit nicht. Der Audi Q4 e-tron ist laut Audi in Deutschland, Österreich und der Schweiz für V2H geeignet: Die Energie fließt über eine kompatible DC-Wallbox ins Haus, bei einem Ladestand zwischen 20 und 80 Prozent. Renault geht mit dem Renault 5 den AC-Weg. Gestartet ist das Angebot mit Mobilize und The Mobility House im Oktober 2024 in Frankreich. Ein Angebot für Privatkunden in Deutschland haben wir bis Mitte September 2026 nicht gefunden.

Elektroauto lädt nachts in einer Garage an einer Wandladestation Symbolbild - AI generiert
Bild: AI generiert / EMA Energiewelt

Ob bidirektional oder klassisch: Welche Ladeleistung zu Ihrem Auto und Ihrem Hausanschluss passt, zeigt der kostenlose Wallbox-Rechner.

Jetzt Wallbox-Rechner starten →

Ein typischer Irrtum: Zaptec Pro und Audi Q4 e-tron#

Wie leicht AC und DC durcheinandergeraten, zeigt ein Beispiel aus dem September 2026. Fachmedien berichteten über einen geplanten V2G-Tarif von Octopus Energy für Audi-Modelle, in Zusammenfassungen tauchte dazu die Zaptec Pro als Wallbox auf. Das passt nicht zusammen. Die Zaptec Pro ist laut Hersteller eine AC-Ladestation mit bis zu 22 kW, eine bidirektionale Funktion nennt Zaptec nicht. Der Audi Q4 e-tron gibt Energie laut Audi über eine DC-Wallbox ab. Auf seiner eigenen Produktseite führt Octopus zudem bis Mitte September weiterhin nur Ford Capri und Explorer. Die Lehre daraus: Leistung und Preis einer Wallbox sagen nichts darüber, ob sie zurückspeisen kann. Was Sie für den Start brauchen, erklärt der Beitrag zu den Voraussetzungen für bidirektionales Laden.

Zertifizierung: Was die VDE-AR-N 4105 für AC und DC verlangt#

Wer Strom aus dem Auto ins Hausnetz oder ins öffentliche Netz zurückspeist, betreibt technisch eine Erzeugungsanlage. Dafür gilt die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105. Wie die Nachweise beim bidirektionalen Laden zu erbringen sind, beschreibt ein Hinweis des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) vom Januar 2025. Die Grundregel: Zurückspeisen ist verboten, solange das System aus Auto und Wallbox die Anforderungen nicht vollständig erfüllt. Den Nachweis der technischen Fähigkeit führt die fest installierte Wallbox, der Installateur stellt sie nach den Vorgaben des Netzbetreibers ein. Die Zertifikate werden im zentralen Register ZEREZ hinterlegt.

DC-Verbindung: alle Funktionen in der Wallbox

Bei einer DC-Verbindung liegen laut VDE FNN alle zertifizierungsrelevanten Funktionen in der Wallbox. Sie muss sämtliche Nachweise nach VDE-AR-N 4105 erbringen, das Fahrzeug braucht für das Netzverhalten keine eigenen. Das erklärt, warum die Pakete in Deutschland bisher fast alle auf DC setzen: Die Wallbox ist das zertifizierte Bauteil am Netz.

AC-Verbindung: getrennte Zertifizierung oder geschlossenes System

Bei einer AC-Verbindung verteilt der Hinweis die Aufgaben. Das Fahrzeug weist sein Verhalten am Netz nach, etwa Netzrückwirkungen, die Regelung von Wirk- und Blindleistung und die dynamische Netzstützung. Die Wallbox übernimmt den Netz- und Anlagenschutz, den Kuppelschalter und die Zuschaltung. Vor jeder Rückspeisung prüft sie über eine qualifizierte Kommunikation, ob das angeschlossene Auto die Anforderungen am jeweiligen Netzanschluss erfüllt. Alternativ können Auto und Wallbox als geschlossenes System zertifiziert werden. Dann ist keine Rückspeisung möglich, sobald eine der beiden Komponenten gegen eine nicht zertifizierte getauscht wird. Ein Software-Update an einer zertifizierten Funktion erfordert eine neue Zertifizierung.

AFIR, öffentliche Ladepunkte und Ihre private Wallbox#

Die EU-Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR, Verordnung (EU) 2023/1804) richtet ihre Pflichten an öffentlich zugängliche Ladepunkte, etwa zu Preisangaben und Datenbereitstellung. Als öffentlich zugänglich gilt nach Artikel 2 Nummer 45 Infrastruktur an einem Standort, der der Allgemeinheit zugänglich ist. Die Wallbox in der eigenen Garage gehört nicht dazu. Für sie zählen die Freigabe des Fahrzeugherstellers, die Anschlussbedingungen des Netzbetreibers und die VDE-AR-N 4105. Ob sich das Rückspeisen finanziell lohnt, hängt vom Tarif ab, die Modelle vergleicht der Beitrag zur V2G-Vergütung der Stromhändler.

Was kostet eine bidirektionale Wallbox 2026?#

Bidirektionale Wallboxen kosten laut ADAC je nach Technik zwischen rund 2.100 Euro und mehr als 10.000 Euro. Dazu kommen 500 bis 3.000 Euro für die Installation. Den Ausschlag geben Hersteller und Einsatzzweck, Geräte mit gewerblichem Fokus liegen deutlich höher.

Gerätepreise im Überblick

Die BMW Wallbox Professional (DC, 11 kW) kostet laut ADAC ab 2.095 Euro und ist bislang das einzige Gerät in einem für Privathaushalte interessanten Preisbereich. Die Ambibox ambiCHARGE (DC, 11 kW) nennt der ADAC ab 2.995 Euro netto. Bei Octopus gibt es sie im Paket ab 4.599 Euro inklusive Installation. Die EVTEC crema&charge (DC, 11 kW) ist bestellbar, hat aber einen gewerblichen Fokus. Die ChargeLine BiDi von The Mobility House und die Witty Flex von Hager (beide DC, 11 kW) sollen laut ADAC im Herbst beziehungsweise im vierten Quartal 2026 folgen.

Smart Meter als Pflichtbaustein

Ohne intelligentes Messsystem geht es nicht. Neue Wallboxen gelten seit 2024 als steuerbare Verbrauchseinrichtungen, laut ADAC ist ein Smart Meter für sie deshalb Pflicht. Für die Abrechnung der Rückspeisung braucht es ihn ohnehin. Wann und zu welchen Kosten der Einbau läuft, erklärt der Beitrag zur Smart-Meter-Pflicht.

AC oder DC: Welche Wallbox sollten Sie kaufen?#

Kaufen Sie keine bidirektionale Wallbox auf Vorrat. Für die meisten Hausbesitzer führt der Weg 2026 über ein DC-Paket des Fahrzeugherstellers oder eines Stromanbieters, und das gibt es bislang nur für wenige Modelle. Eine AC-Wallbox mit dem Etikett „BiDi-ready“ ist keine Garantie, dass Ihr Auto später darüber zurückspeisen darf.

Erst die Freigabe des Autos prüfen, dann die Wallbox

Prüfen Sie zuerst, ob der Hersteller Ihr Modell und Ihren Softwarestand für V2H oder V2G freigibt und über welchen Weg. Wählen Sie dann die Wallbox, die Hersteller oder Anbieter dafür nennen. Klären Sie Tarif und Smart Meter. Lassen Sie die Wallbox von einem Elektrofachbetrieb nach VDE-AR-N 4105 und den Anschlussbedingungen des Netzbetreibers einrichten, inklusive Anmeldung. Wie das Auto als Stromspeicher für das eigene Haus funktioniert, zeigt der Beitrag zu Vehicle-to-Home.

Begriffe wie V2G, V2H, Wechselrichter und Smart Meter Gateway erklärt unser Glossar.